Gerade in einer Großstadt wie München wünscht man sich haufig einen kleinen Ausflug vom hektischen Alltag. Doch Wohnungen mit Balkon oder eigenem Garten sind rar und leider auch nicht gerade günstig in München. 

Ein neuer Trend?

Hatte der Schrebergarten lange ein eher spießiges Image, so erfährt er seit einigen Jahren eine Renaissance. Gerade Kleinfamilien mit Kindern zieht es immer mehr ins Grüne. Von Berlin bis München sind es besonders junge Kleinfamilien, die in einem Schrebergarten auch die Möglichkeit sehen, sich umweltbewusst zu ernähren in dem sie Obst und Gemüse selbst anbauen. Insbesondere Stadtkinder profitieren durch einen Schrebergarten. Erhalten sie dadurch einen direkten Bezug zur Natur, trotzdem sie in der Stadt aufwachsen. 

Zahlen und Fakten

In ganz Deutschland gibt es rund 1 Million Kleingartenbesitzer, über München verteilt finden sich rund 83 Kleingartenanlagen. Diese sind jedoch nicht gleichmäßig über die Stadt verteilt, im Südosten und rund um den Englischen Garten gibt es deutlich mehr Anlagen als im Südwesten. Die Wartelisten für einen Schrebergarten in München sind lang: Durchschnittlich dauert es zwei bis drei Jahre, bis ein Schrebergarten frei wird. Die meisten Münchner Vereine haben daher ihre Wartelisten geschlossen. 

Kaufen oder Pachten?

Um einen Schrebergarten sein eigen zu nennen, muss man zunächst in einen Kleingartenverein eintreten. In München wendet man sich am besten direkt an den Kleingartenverband München e.V. Er bietet eine Übersicht über alle Kleingartenvereine der bayerischen Hauptstadt, bei denen man sich direkt anmelden kann. Es wird empfohlen, sich möglichst frühzeitig auf einer Warteliste zu registrieren. Die Mehrfachregistrierung ist leider nicht möglich. Rentner und Familien mit Kindern werden meistens bevorzugt behandelt. 

Hat man schließlich Glück und ergattert einen Schrebergarten wird man ihn meistens pachten. Die Parzellen sind durchschnittlich 250 m² groß und der Pachtpreis beträgt pro m² 0,42 €, zzgl. 0,10 € pro m²/ Jahr Aufwandersatz. Hinzu kommen weitere Nebenkosten sowie eine einmalige Ablösesumme bei der Übernahme. Man kauft bei der Übernahme in der Regel alles, was sich auf dem Pachtgrundstück befindet, z.B. die Gartenlaube und vorhandenes Werkzeug.

Der Pachtvertrag wird üblicherweise auf unbestimmte Zeit geschlossen. Schrebergärten werden nicht gemietet, sondern gepachtet. Eine Mietsache kann man nutzen, ein Pachtvertrag erlaubt darüber hinaus Ertrag aus der Sache zu ziehen. Der gärtnerische Ertrag darf allerdings nur für den Eigenbedarf verwendet werden.

Was darf man im Schrebergarten anbauen?

Zuallererst: Den Möglichkeiten sind fast keine Grenzen gesetzt. Der Schrebergarten ist zur Selbstversorgung gedacht und diesem Gedanken soll man auch ruhig nachkommen. Mindestens auf einem Drittel der Fläche sollte zur gärtnerischen nicht-erwerbsmäßigen Nutzung gedacht sein. Dies beinhaltet vor allem den Anbau von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf. Gemüse, Kräuter und Obst anzubauen ist im Schrebergarten also ein Muss. Die weiteren zwei Drittel setzen sich aus baulicher Nutzung (Laube, Wege) sowie Erholungsflächen (Blumenbeete, Rasen) zusammen. Besonders geeignet für Gartenneulinge sind pflegeleichte Gemüsesorten wie Radieschen, Pflücksalate oder Kartoffeln. Auch Tomaten, Möhren oder Zucchini lassen sich einfach anbauen.

Am Anfang sollte man es am besten langsam angehen lassen und sich nicht übernehmen. Das mindert ansonsten die Freude am eigenen Garten ganz schnell wieder. Es macht außerdem Sinn, nicht alles auf einmal zu säen. Das macht zum einen weniger Arbeit, bringt aber gleichzeitig auch Ernte über das ganze Jahr. Eine tolle Idee ist es auch, einen Pflanzkalender zu führen. Hierin kann man beispielsweise festhalten, wann die Beete umgegraben oder die Erde das letzte Mal gemulcht wurde. Manche Vereine bieten auch Einführungskurse in den Gartenbau an. Hiernach kann man sich direkt bei seinem Verein erkundigen.

Für ein gutes Miteinander

Eine Kleingartenanlage ist ein Mikrokosmos für sich. Weil alle Gärten sehr nah beieinander liegen ist es umso wichtiger sich an einige Regeln zu halten. Zwischen 13-15 Uhr ist Mittagsruhe sowie Nachtruhe von 22-07 Uhr. Ein Gewächshaus oder auch ein fester Grill dürfen nur nach vorheriger Genehmigung installiert werden. Die Gartenlaube darf maximal 24 qm² groß sein. Ab und zu in der Laube zu übernachten ist kein Problem, ein dauerhaftes Wohnen in der Hütte ist jedoch nicht erlaubt.

Was sollte man außerdem beachten? 

Auf keinen Fall sollte man den Zeitaufwand unterschätzen. Fünf bis sechs Stunden in der Woche sollte man wenigstens Zeit haben, um den Garten zu pflegen, sei dies Unkraut jäten, Hecken schneiden oder Gemüse anbauen. Hinzu kommt die Zeit, die die Ernte beansprucht sowie die Verarbeitung des Obst und Gemüses. Hinzu kommen regelmäßige Arbeitseinsätze des Vereins, an denen man ebenfalls teilnehmen sollte. 

Ein Schrebergarten kostet zwar viel Zeit, die ist er aber auf jeden Fall Wert. Das wird einem spätestens bei der ersten eigenen Ernte mit Sicherheit bewusst.