Neulich musste ich für einen Termin nach Stuttgart. Ich stand vor der Frage, ob mit dem eigenen Auto fahren oder den Zug nehmen. Da der Termin sehr kurzfristig war und ich am Abend zurück sein musste, kam ich auf die Idee, mich mal bei den Mitfahrzentralen umzuschauen und entschied mich für BlaBlaCar. Die Plattform macht einen guten Eindruck. Einfach in der Bedienung, leicht verständlich, schnelle Anmeldung, keine Gebühren. Und das Beste: Es gibt viele Angebote für die Strecke München-Stuttgart.

Ich entschied mich für eine junge Frau Anfang dreißig, die auf dem Weg nach Frankfurt noch Mitfahrer suchte. Aus ihrem Profil konnte ich ablesen, dass sie einen Golf fährt, normal gesprächig ist (in ihrer Profileinstellellung waren zwei Blablas von insgesamt drei angegeben) Nichtraucher ist, gerne Musik im Auto hört und keine Haustiere mitnimmt. Das klingt sympathisch, dachte ich mir. Also schrieb ich sie an. Ich schrieb: „Hallo, ich würde gerne am Mittwoch nach Stuttgart mitfahren. Ich wohne in Moosach und mache das hier zum ersten Mal. Was muss ich jetzt machen? 🙂 Viele Grüße Sofia“. Am selben Tag kam keine Antwort, es war bereits Montag. Ich fing an, mir Gedanken zu machen. Nachricht nicht angekommen? Ist mein Profil abschreckend? Zu viele Bewerbungen für die Strecke? Am Dienstag suchte ich eine Alternativfahrt. Ich meldete mich bei „Tanja“. Ihre Abfahrtszeit lag zwar etwas ungünstiger für mich, aber was sollte ich machen. Dazu kam, dass ich meiner ersten Fahrt bei einer Frau mitfahren wollte. Nichts gegen das andere Geschlecht, aber ich muss zugeben, dass ich doch ein paar (sehr wahrscheinlich zu unrecht) Vorurteile habe. So hätte ich keine Lust bei einem Raser im Auto zu sitzen. Auch sind Männer in der Regel etwas weniger gesprächig als Frauen.

Tanja meldete sich prompt. Doch auch „Laura“, die erste Fahrerin, meldete sich kurze Zeit später mit folgender Antwort: „Hihi, ich mache es auch zum ersten Mal. Also Start morgen 13.30 Uhr am Pasinger Bahnhof.
 Absetzen tue ich in Stuttgart Ausfahrt 22 von der A8 (im Süden), ist vielleicht nicht so praktisch für dich?! Aber es gibt dort eine S-Bahn Station. Musst du mal googeln. Sag mir Bescheid. Laura“ Ich rief also an, um mir diese Fahrt zu sichern. Am Telefon erfuhr ich, dass Laura genau 10 Minuten in Pasing am Vapiano beim Bahnhof warten würde, dann fahre sie los. Es hieß also pünktlich sein. Tanja sagte ich ab.

Am nächsten Tag wollte ich auf gar keinen Fall zu spät kommen, zumal ich nicht wusste, wo sich das Vapiano genau befand. Ich fuhr also mehr als rechtzeitig los. Im Gepäck ein Buch für den Fall, dass zwischen mir und Laura „Eiszeitstimmung“ während der Fahrt herrschen würde.

Die Jagd nach dem Phantom

In Pasing angekommen, sah ich auch schon das Vapiano. Laura wollte dort in der Nähe halten. Es war 13.10 Uhr. Es war eine große Kreuzung mit vielen Bushaltestellen. Ich setzte eine kurze SMS ab: „Ich bin schon da“. Keine Antwort. Ich wartete und ließ meinem Kopfkino freien Lauf. Ich stand in einer Ecke und sah plötzlich alles im Zeitraffer an mir vorbeiziehen. Menschen stiegen hektisch ein und aus. Busse hielten und fuhren weiter, aus Tag wurde Nacht, aus Sommer wurde Herbst und ich stand immer noch da. Die Jahre spulten an mir vorbei, während ich in dieser Ecke wie ein Fels in der Brandung auf Laura wartete. Ein Blick auf mein Handy erlöste mich aus dieser Vorstellung. „Supi, ich komme auch gleich! Habe einen schwarzen Golf!“ Nach wenigen Minuten fuhr ein schwarzer Golf an die Kreuzung. Eine junge Frau saß am Steuer. Sie fuhr immer langsamer und ihr suchender Blick verriet, dass sie Ausschau hielt. Das musste Laura sein! Sie wendete und hielt etwa 200 Meter weiter am Straßenrand. Ich lief zu dem Wagen. Doch bevor ich bei ihr ankam, fuhr sie los. Oh nein, war es das jetzt gewesen?

Ein paar Minuten später tauchte ihr Auto wieder an der Straße auf und sie hielt weiter vorne. Ein wenig erinnerte es mich an eine Karnickeljagd. Ich lief wieder zum Auto und dieses Mal fuhr sie nicht weg. Ich klopfte an die Beifahrerscheibe. Sie erschrak und ließ das Fenster runter. „Bist du Laura? BlaBlaCar? Stuttgart?“, sprudelte es aus mir heraus. Es war eine junge Frau und ein schwarzer Golf, das musste sie doch sein, dachte ich! „Nein, ich fahre nicht nach Stuttgart“, antwortete sie mit einem verlegenen Lächeln. „Oh, sorry“, entschuldigte ich mich und sofort begann mein Kopfkino wieder an zu arbeiten. War sie es doch und sie hatte sich in dieser Sekunde der Gegenüberstellung doch anders entschieden? Was sollte ich jetzt machen? Ich ging ein Stück die Kreuzung hoch und stellte mich wieder in Sichthöhe des Vapiano, als plötzlich ein Mann kam und zu der jungen Frau ins Auto stieg. Ok, sie war es wirklich nicht.

Buchtipp trifft Filmtipp und mehr

Es war kurz nach halb Zwei, als wieder ein schwarzer Golf genau vor mir hielt. Das war jetzt Laura. Ich öffnete die Beifahrertür und sagte „Hallo Laura, ich bin Sofia.“ Wir hatten uns gefunden und die Fahrt konnte starten. Laura fuhr vorsichtig und konzentriert. Das Auto war in einem guten Zustand und nicht vermüllt.

Ziemlich schnell stellten wir fest, dass es einige Parallelen in unserem Leben gab. Wir sprachen die ganze Fahrt über und es war fast, wie bei einer guten Bekannten im Auto zu sitzen. Mein Buch, welches ich dabei hatte, habe ich ihr empfohlen. Ich schrieb mir einen Filmtitel auf, den sie mir nahe legte. Kurz vor Stuttgart verpassten wir eine Ausfahrt vor lauter Reden und in Stuttgart angekommen verabschiedeten wir uns mit einer Umarmung.

BlaBlaCar hatte mir eine super nette Fahrt beschert und das Ganze für 10 Euro Spritkosten. Zwar hätten wir in Summe ungefähr 8 BlaBla’s vorher in unsere Profile angeben müssen, da es so gut wie keine Schweigeminute im Auto gegeben hat, aber mit so einer kurzweiligen Fahrt hatte ich niemals gerechnet. Für mich ist BlaBlaCar seit dieser Fahrt eine echte Alternative zu meinen bisherigen Reisemöglichkeiten. Und vielleicht überwinde ich in Zukunft auch meine Vorurteile.

Über BlaBlaCar – die Mitfahr-Community

Die Mitfahrzentrale BlaBlaCar wurde 2006 in Paris gegründet, mittlerweile ist sie in 19 Ländern vertreten. Die Mitgliederprofile werden von BlaBlaCar überprüft, so dass es sich um echte Mitglieder handelt. Auch die Bilder werden einzeln überprüft, E-Mail-Adressen und Handynummern müssen von den Mitgliedern bestätigt werden. In den Profilen können verschiedene Einstellungen vorgenommen werden. Beispielsweise wie redselig man ist, ob man gerne während der Fahrt Musik hört, ob Tiere mitgenommen werden und ob Rauchen im Auto erlaubt ist. Die Mitglieder können sich gegenseitig öffentlich bewerten.

Mehr über BlaBlaCar unter http://www.blablacar.de