Viele Reinigungsmittel putzen den Regenwald weg

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Für Lebensmittel gilt ab dem 13. Dezember 2014 eine Deklarationspflicht für Palmöl, allerdings gilt dies nicht für Wasch- und Reinigungsmittel. Zahlreiche Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen wehren sich erbittert gegen den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) und dennoch enthalten nahezu alle Wasch- und Reinigungsmittel Inhaltsstoffe auf Basis tropischer Öle.

Was macht Palmöl in Wasch- und Reinigungsmitteln?

Wasch- und Reinigungsmittel enthalten kein reines Öl, doch werden riesige Mengen an Palmölen für die Herstellung von Tensiden, den waschaktiven Substanzen verwendet. Tenside dienen dazu, Dreck und Schmutz von Flächen oder Textilien abzulösen und mit der Waschflotte zu entfernen. Alle Wasch- und Reinigungsmittel enthalten 3-30% Tenside, welche entweder aus Erdöl hergestellt werden oder aus tropischen Ölen, hauptsächlich Palmkernöl[i]. Insbesondere vermeintlich ökologisch verträgliche Reiniger mit Tensiden aus nachwachsenden Rohstoffen, also auf pflanzlicher Basis, enthalten Palmkernöl. Palmöl ist das billigste Pflanzenöl – als Grund werden meist die hohen Erträge der Ölpalme genannt. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) weisen jedoch darauf hin, dass die hohen Erträge nur durch Faktoren wie bspw. den massiven Einsatz von Pestiziden[ii], schlecht bis gar nicht bezahlten Arbeitern oder den Einsatz von Kinderarbeit[iii]erkauft werden können.

Wie erkenne ich Palmöltenside?

Palmöl ist in Wasch- und Reinigungsmitteln nicht deklarationspflichtig und wird daher nicht explizit bei den Inhaltsstoffen erwähnt. Allein die deklarierten anionischen, nichtionischen oder amphoteren Tenside geben keinerlei Hinweise auf deren Herkunft. Heutzutage sind nur sehr vereinzelt Tenside erhältlich, die nicht aus Palmöl oder Erdöl hergestellt sind. Man kann daher davon ausgehen, dass nahezu alle Bio-Reiniger, pflanzliche sowie ökologische Reiniger und Waschmittel tropische Öle, insbesondere Palmöle, enthalten. Einige wenige Produkte loben die Verwendung von tropischem Kokosöl statt Palmöl aus. Vorsicht ist allerdings geboten durch die Namensgebung der Inhaltsstoffe, wie z.B. Coco. (siehe Kasten).

Gibt es Alternativen auf Basis europäischer Öle?

Neben dem Kostenvorteil gegenüber anderen Pflanzenölen, weist Palmkernöl Eigenschaften auf, die es für die Verwendung als Tensid in Wasch- und Reinigungsmitteln besonders geeignet macht, wie z.B. das hohe Schäumverhalten[iv]. Tenside des Palmkernöls sind mit Tensiden aus bestimmten Fraktionen des Erdöls oder durch Kokosöltenside ersetzbar.

Als einziger Hersteller bietet das junge Schweizer Unternehmen Good Soaps AG Reinigungsmittel auf ausschliesslicher Basis heimischer Pflanzenöle an. Das Unternehmen verzichtet dabei bei unverminderter Reinigungsleistung zu 100% auf den Einsatz von Palmölen (siehe unseren Bericht[v]).

Grünes Palmöl gibt es nicht [vi]

Die steigende Nachfrage nach Palmöl führt zur Rodung riesiger tropischer Waldflächen in der Grösse von 300 Fußballfeldern pro Stunde[vii].Durch Brandrodung und Trockenlegung von Torfböden produziert Indonesien jährlich mehr CO2 als eine Milliarde Autos und trägt als grösster Produzent von CO2 mit 7-15% zur weltweiten CO2 Emission bei[viii]. Immer wieder wird von Vertreibungen von Einwohnern berichtet, die ihre Dörfer nicht freiwillig der Vernichtung für Palmölplantagen freigeben wollen[ix].

Mit dem Wald sterben auch Tiere und Pflanzen. Schätzungen gehen davon aus, dass es auf Borneo in 5-20 Jahren keine Orang Utans mehr geben wird. Bedroht sind ausserdem Nashörner, der Sumatra Tiger und Waldkängurus[x].

Die gerodeten Flächen werden in Monokulturen umgewandelt und unter massivem Einsatz von Düngemittel, Unkrautvernichtungsmittel und Pestiziden bewirtschaftet. Eine einzige Ölpalme verbraucht im Jahr über 5.000 Liter Wasser, 8 kg Kunstdünger und 5 kg Pflanzenschutzmittel[xi].

Durch den Widerstand zahlreicher Organisation gegen Palmöl verpflichten sich mehr und mehr Hersteller zu einer Beschaffung von „nachhaltigem Palmöl“, zertifiziert durch den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Allerdings sind die Vertreter der Palmölindustrie weit in der Überzahl, regelmässig wird von Verstössen gegen die ohnehin unzureichenden Richtlinien der RSPO berichtet, wie zum Beispiel weiteren Brandrodungen für Palmölplantagen. Jüngst häufen sich weiterhin verheerende Berichte über Kinder- und Sklavenarbeit auf RSPO-zertifizierten Palmölplantagen [xii].

Nicht zuletzt sollte man bei der Verwendung von tropischen Ölen bedenken, dass jedes in Europa konsumierte Gramm Öl bereits einen Transportweg von ca. 20‘000 km hinter sich hat und allein schon durch den Transport zusätzlich zu einer Erhöhung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre beiträgt.

Bezeichnungen von Palmöltensiden

Kokos/ Coco: Mit „Coco“ bezeichnete Inhaltsstoffe, wie z.B. Cocoamidopropylamin, Coco-glucoside, Kokosfettalkoholsulfat, Cocoat, etc. stammen meist aus Palmkernöl. „Coco“ bezeichnet hier lediglich die chemische Struktur, welche für Erdöl, Kokos- und Palmkernöl identisch sein kann.

Zuckertenside (Alkylpolyglycoside, …-glucosid, …-glycosid): Alle Produkte mit Zuckertensiden sind auf Basis Palmöl.

C12-14/ Lauryl: Produkte, die „C12-14“ oder „Lauryl“ in ihrem Namen enthalten, sind auf Basis Erdöl oder Palmkernöl, in Ausnahmefällen Kokosöl

Fußnoten:

[i]Definition Palmöle: Bei den Palmölen unterscheidet man zwischen dem Öl der Palmfrucht und dem Öl des Palmkernes. Für Wasch- und Reinigungsmittel wird hauptsächlich das Palmkernöl eingesetzt. Der Einfachheit halber wird in diesem Artikel von Palmöl gesprochen.

[ii]Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) gefährdet die Gesundheit von PlantagenarbeiterInnen (EvB): http://www.evb.ch/medien/medienmitteilung/runder_tisch_fuer_nachhaltiges_palmoel_pestizid_zulassung_gefaehrdet_plantagenarbeiterinnen_und_umw/

[iii]https://www.regenwald.org/aktion/921/an-cargill-kinder-gehoeren-nicht-auf-plantagen

[iv]Natürliche Schaumbildner sind Saponine, die Aktivstoffe der indischen Waschnuss. Gemäss Ökotest müssen hier gewisse Einbussen bei der Waschkraft in Kauf genommen werden (http://forum.oekotest.de/cgi-bin/YaBB.pl?num=1112360030).

[v]http://www.muenchen-querbeet.de/natur-umwelt-oekologie/good-soaps-reinigt-auf-basis-einheimischer-pflanzen-interview-mit-gruenderin-dr-regine-schneider

[vi]Günes Palmöl gibt es nicht: http://www.regenwald.org/news/5546/gruenes-palmoel-gibt-es-nicht

[vii] https://www.prowildlife.de/sites/default/files/FS_Palmoel.pdf

[viii]http://www.klima-sucht-schutz.de/klimaschutz/klimawandel/die-abholzung-der-waelder.html

[ix]Indonesian palm oil company demolishes homes and evicts villagers in week-long raid:
http://news.mongabay.com/2013/1214-dparker-asiatic-persada-palm-oil-conflict.html#Xt5IoJGbPBFK8WgF.99

[x]http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/greenpeace-procter-gamble-laesst-zerstoerung-von-regenwaeldern-zu-a-955602.html

[xi]Palmöl – Das grüne Gift (Pro Wildlife) https://www.prowildlife.de/sites/default/files/FS_Palmoel.pdf

[xii]„Palmöl – Treibstoff der Sklaverei“ http://www.regenwald.org/regenwaldreport/2013/386/palmoel-treibstoff-der-sklaverei

Indonesisches Palmöl und Kinderarbeit (Aktiv gegen Kinderarbeit, 2013)

https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/2013/08/aktueller-bericht-indonesisches-palmoel-und-kinderarbeit/

Palmöl – Neue Form der Sklaverei? (Focus, 2013)

http://www.focus.de/wissen/natur/tiere-und-pflanzen/artenschutz/tid-11596/palmoel-neue-form-der-sklaverei_aid_327457.html

(Text: Dr. Regine Schneider, Foto: Sofia Delgado)

 

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