Umwelt-Taxi ist führend beim Einsatz von Hybridfahrzeuge

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Die Hybrid-Flotte von Taxi Center Ostbahnhof ©Foto: Peter Köhl

Die Hybrid-Flotte von Taxi Center Ostbahnhof
©Foto: Peter Köhl

Am Münchner Ostbahnhof steht eine große Taxiflotte für Fahrgäste bereit. Wer genau hinschaut, erkennt an den großformatigen Aufklebern, dass hier keine „Ottonormal-Autos“ parken. Es sind umweltfreundliche Hybridmodelle. Dr. Sofia Delgado und Birgit Kuhn, die Gründerinnen von muenchen-querbeet.de, sprachen mit dem Geschäftsführer Peter Köhl über seine „grünen“ Taxis.

M-Q: Herr Köhl, was für ein Auto fahren Sie privat – Benziner, Diesel, Hybrid- oder Elektroauto?

Köhl: Ich überführe in der Regel eines unserer ausgemusterten Taxis einem Second Life im Privatgebrauch. So fahre ich derzeit noch einen der letzten Touran Diesel, Baujahr 2006 mit über 300.000 km. In 2013 werden die ersten Hybridautos, wieder mit über 300.000 km, ausgemustert. Darauf freue ich mich schon.

M-Q: Sie begannen 2008 als erstes Taxiunternehmen im süddeutschen Raum Hybridfahrzeuge einzusetzen. Was hat sie damals dazu bewogen?

Köhl: Mein grünes Gewissen. Als Verantwortlicher für ca. drei Millionen Pkw-Kilometer, die zu ca. 90Prozent innerstädtisch gefahren werden, wurde mir klar, dass ich vielleicht mehr bewirken kann als die meisten Menschen mit einem privaten Pkw. Daraus entstand die Vision Deutschlands ökologischstes Taxiunternehmen zu bilden. Mittlerweile dürfte diese Version vermutlich Wirklichkeit geworden sein. 43 von 52 Fahrzeugen verfügen über einen elektrischen Antrieb und sparen im Vergleich zu den Dieselfahrzeugen jährlich je nach Laufleistung bis zu 10 Tonnen CO2 ein – pro Fahrzeug!

M-Q: Ihr Unternehmen gilt in Bayern als führend beim Einsatz umweltfreundlicher Hybridfahrzeuge. Nun sind Sie auch noch Ökoprofit® zertifiziert. Was bedeutet das?

Köhl: Ökoprofit ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung. Dies bedeutet, dass unser gesamter Betrieb in allen Bereichen auf umweltfreundliche und nachhaltige Aspekte abgeklopft wurde. Wir wurden dabei von der Beratungsfirma Arqum GmbH unterstützt, die im Auftrag der Stadt München die Ökoprofit interessierten Betriebe berät. Dabei wurde auch großes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen gelegt. Hier wurde ziemlich schnell klar, dass sich nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Erfolge realisieren lassen. Wie wir schon mit unseren Fahrzeugen feststellen konnten, kann sich Umweltschutz durchaus auch bezahlt machen.

M-Q: Im vergangenen Jahr haben Sie das erste Voll-Elektro-Taxi in Betrieb genommen. Wie hoch ist die Fahr-Reichweite mit aufgeladener Batterie?

Das erste Opel-Ampera Elektro-Taxi (Deutschlands). ©Foto. Peter Köhl

Das erste Opel-Ampera Elektro-Taxi (Deutschlands).
©Foto. Peter Köhl

Köhl: Unser Opel Ampera hat Dank des Range-Extenders, der mit Benzin betrieben wird, eine unbegrenzte Reichweite. Der Range-Extender springt bei uns im Taxibetrieb nach ca. 55 km leiser, rein elektrischer Fahrt an, um die Batterien auf einem fahrfähigen Ladezustand zu halten. Bei rechtzeitiger Nachladung an der Ladesäule könnte man sich den ganzen Tag leise durch die Stadt bewegen.

M-Q: Gibt es bereits genügend Ladestationen in München für diese Art von Fahrzeugen?

Köhl: Für rein batterie-elektrische Fahrzeuge im privaten Gebrauch mag es mit großen Einschränkungen vielleicht ausreichen. Hier ist jedoch noch ein sehr hohes Verbesserungspotential vorhanden. Ein Taxibetrieb mit den derzeit erhältlichen, rein batterie-elektrischen Fahrzeugen, ist mit der vorhandenen Lade-Infrastruktur bei weitem noch nicht seriös möglich.

M-Q: Kommt das Elektroauto bei Ihnen im üblichen Betrieb zum Einsatz oder müssen Sie irgendetwas berücksichtigen?

Köhl: Der Ampera ist bei uns im üblichen Schichteinsatz in Betrieb, jedoch nur während der Tagschicht. Dies aus zwei Gründen:

Erstens wollen wir die Sichtbarkeit und damit die Wahrnehmung des Fahrzeugs gewährleisten, während in der Nacht ja bekanntlich alle Katzen grau sind.

Zweitens bietet sich die Nacht als Ladezeit an, weil wir dies in der betriebseigenen Werkstatt abwickeln können und nachts auch eher freie Kapazitäten haben.

M-Q: Wie ist die Resonanz bei den Fahrgästen? Ist den Fahrgästen überhaupt bewusst, dass sie mit einem umweltfreundlichen Fahrzeug unterwegs sind?

Köhl: Die Resonanz bei den Fahrgästen ist überwältigend. Natürlich merken die Fahrgäste sofort, dass sie in einem „ungewöhnlichen“ Auto sitzen. Alle diese Autos starten ja ohne das typische Anlassergeräusch, also völlig geräuschlos. Erst beim stärkeren Beschleunigen schaltet sich der Motor zu und spätestens an der nächsten Ampel, wenn der Motor wieder ausgeht, kommt oft die Frage: „Jetzt ist er abgestorben – müssen wir schieben?“ Zudem ist unser Branding sehr auffällig und natürlich spielen auch die Instrumente eine Rolle. Die gelernte Form des Toyota Prius als Hybridfahrzeug ist ebenfalls hilfreich und war für uns ein wichtiger Entscheidungsgrund für dieses Fahrzeug. Ein Erdgasauto unterscheidet sich weder äußerlich noch in den Fahrgeräuschen von seinem Dieselbruder, hier ist der Unterschied durch den Fahrgast eigentlich nicht wahrnehmbar. In unseren Fahrzeugen wird dagegen nie über Wetter oder Politik gesprochen, sondern immer über die Technik. Um diese erklären zu können, schulen wir unsere Fahrer entsprechend.

M-Q: Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb und Elektroautos sind noch immer teurer als Autos mit konventionellem Verbrennungsantrieb, egal, ob Benziner oder Diesel. Zahlen bei Ihnen die Kunden entsprechend mehr, wenn sie umweltfreundlich unterwegs sein wollen?

"Ausgezeichnet" Taxi fahren ©Foto: Peter Köhl

„Ausgezeichnet“ Taxi fahren
©Foto: Peter Köhl

Köhl: Nein. Selbstverständlich nicht. Es gilt immer der Taxitarif, egal ob Sie in einem 12-Liter-Auto oder in einem 6 –Liter-Auto sitzen. So kann der umweltbewusste Fahrgast sich bewusst für ein umweltfreundliches Auto entscheiden und mit einem Prius bei einer Fahrt von 10 km ca. 1,3 kg CO2 aktiv selbst einsparen. Dies gilt sowohl bei der Bestellung über die Zentralen als auch am Taxistand. Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist man nämlich nicht verpflichtet, das erste Taxi am Standplatz zu nehmen. So hat der Fahrgast die Möglichkeit mit den Füßen abzustimmen, welche Fahrzeuge die Taxilandschaft künftig bilden sollen. Denn wenn die umweltfreundlichen Fahrzeuge bevorzugt werden, werden auch die anderen Taxiunternehmer ihre künftigen Fahrzeugkäufe überdenken. Hier hat unser Beispiel inzwischen schon viele Nachahmer in München und bundesweit gefunden, worüber wir uns natürlich freuen. Im Übrigen ist nur die Anschaffung der Fahrzeuge teurer. Bei den hohen Laufleistungen amortisiert sich das durchaus im Laufe der Zeit.

M-Q: Welche Rolle spielt der Aspekt Nachhaltigkeit generell in Ihrem Unternehmen?

Köhl: Wir achten im gesamten Betrieb auf Nachhaltigkeit, deswegen ja auch die Ökoprofit-Zertifizierung. Im Bereich Werkstatt sind es Dinge wie Nachfüllsyteme, die selbstverständliche Trennung und umweltgerechte Entsorgung der Flüssigkeiten und Abfälle, bis hin zu biologisch abbaubaren Reinigungsmitteln und Verwendung von Microfasertechnik statt Pflegespray und Unmengen von Papierrollen in der Fahrzeugpflege. Die Außenwerbung spart dank LED-Umrüstung 50 Prozent Energie und unsere Computeranlage arbeitet mit einem Server und extrem sparsamen Ultra Thin Clients statt vollwertiger PCs als Workstations. Die Liste unserer Maßnahmen ist sehr lang und ich bin sehr stolz, dass uns unsere Mitarbeiter hier immer tatkräftig unterstützen.

M-Q: Welches Ziel steuern Sie als nächstes an?

Köhl: Unser nächstes Ziel ist die Anschaffung rein batterie-elektrischer Fahrzeuge mit einer Reichweite von über 300 km. Diese Fahrzeuge, die noch in 2013 auf den europäischen Markt kommen werden, sind noch extrem teuer, was wir aus eigener Kraft nicht stemmen können. Wir haben daher im Rahmen des von der Bundesregierung aufgelegten Förderprogramms „Schaufenster Elektromobilität“ einen eigenen Projektantrag gestellt. Wir glauben, dass es wenig andere Verkehre gibt, die besser geeignet wären, Elektromobilität „unters Volk“ zu bringen. In unseren Fahrzeugen kommen ca. 400 Menschen tagtäglich das erste Mal damit in Kontakt. Zudem gibt es kaum eine Verkehrsform, in der aufgrund der hohen Laufleistung und der daraus resultierenden Beanspruchung, mehr Erfahrungen in kürzerer Zeit gesammelt werden können als im Taxibetrieb.

M-Q: Vielen Dank für das Interview!

Geschäftsführer Peter Köhl im Prius ©Foto: Peter Köhl

Geschäftsführer Peter Köhl im Prius
©Foto: Peter Köhl

Kurzbiographie Peter Köhl

Peter Köhl ist Inhaber und Geschäftsführer des von ihm 2007 gegründeten Taxiunternehmens „Taxi Center Ostbahnhof GmbH“ in München. Der 56-jährige ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Seit 28 Jahren ist er im Taxigewerbe als Unternehmer tätig. Unter anderen erhielt er 2011 für die Voreiterrolle seines Betriebs den Umweltpreis München.

 

Information und Kontakt:

TAXI Center Ostbahnhof GmbH

Haager Str. 7
81671 München

Tel: (089) 448 44 44
Fax: (089) 448 88 78

post[at]taxi-ostbahnhof.de

Internet: www.umwelt-taxi-münchen.de

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