Überraschungseier: überflüssig & schädlich

0

Kinder lieben Überraschungseier. Außen Vollmilch, darunter eine dünne Schicht weiße Schokolade – Überraschungseier machen nicht nur optisch etwas her, sie schmecken auch lecker. Was  Überraschungseier so unwiderstehlich für Kinder macht, ist nicht nur der Geschmack, es ist vor allem die „Überraschung“ im Inneren des Eis. Doch leider währt die Freude darüber nicht lange – das meiste landet schnell im Mülleimer.

Sie sind beliebte Mitbringsel, klein, süß und eine Überraschung steckt auch noch in ihnen – die Kinderüberraschungseier von Ferrero, die 1974 von Michelle Ferrero erfunden wurden. Gerne werden sie auch direkt vor den Kassen platziert, wo Kunden auch schon mal spontan das eine oder andere Ei mitnehmen.

Natürlich ist das so gewollt. Sonst würden kaum 10 Prozent des Gesamtumsatzes von 4,5 Milliarden Euro von Ferrero auf die Schokoeier entfallen. Zwar ist das der Umsatz von vor zehn Jahren, doch die Beliebtheit für die sogenannten Ü-Eier ist ungebrochen.

Die Preise für die fünf Zentimeter hohen Eier schwanken zwischen 35 und 79 Cent. Dabei beträgt der Schokoladenanteil eines Eies gerade einmal 20 Gramm. Bei einem durchschnittlichen Preis von 49 Cent käme man bei 100 Gramm Schokolade auf den stolzen Preis von 2,49 Euro! Entsprechend mehr, wenn die Eier teurer sind.

Teure Ü-Eier verursachen Müll und bringen wenig Spaß

Woraus besteht eigentlich die Schokolade der Eier? Auf der Internetseite von Ferrero finden wir die Antwort: 47 Prozent Vollmilchschokolade (Zucker, Vollmilchpulver, Kakaobutter, Kakaomasse, Emulgator Lecithine (Soja), Vanillin), Magermilchpulver, Zucker, pflanzliche Fette (Palm*, Shea), Butterreinfett, Emulgator Lecithine (Soja) und Vanillin. Der Hauptbestandteil dieser Schokolade ist also Zucker.

Ein teurer Spaß für so wenig Schokolade minderer Qualität, die zudem weder biologisch, noch frei von künstlichen Zusätzen ist. Hinzu kommt der problematische Inhaltsstoff Palmfett. Zwar gibt Ferrero auf seiner Website bekannt, dass das verwendete Palmöl von der Organisation RSPO (runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) zertifiziert sei, doch bleibt der Anbau von Palmölplantagen jeglicher Art äußerst kritisch.

Verschluckbare Kleinteile bergen Gefahren für jüngere Kinder

Und der Inhalt? Der Grund, warum Überraschungseier gekauft werden, ist nicht die Schokolade, sondern die Überraschung, die sich in einer Art Plastikei im Inneren des Überraschungseis verbirgt. Dabei handelt es sich meistens um Figuren aus Plastik-Kleinteilen, die zu einem Spielzeug zusammengesetzt werden können. Außerdem oft dabei: eine Bauanleitung aus Papier. Dazu kommen Figuren aus Plastik, die nicht zusammengebaut werden müssen. Viele davon haben inzwischen Kultstatus erreicht, sie werden gesammelt und auf Sammlerbörsen gehandet.

Neben den kompakten Figuren, die wenigstens noch eine gewisse Stabilität und einen Wert aufweisen (die teuerste Sammlerfigur ist der „Nachtwächterschlumpf“ von 1983: Er kostet geschätzte 12000 Euro – aber nur mit dunkelblauem Plastikrohling), sind die Bauteile zum Zusammenetzen meist filigran. Meiner Erfahrung nach sind die Spielsachen, die man daraus zusammenbauen kann, äußerst unbrauchbar zum Spielen. Sie gehen leicht kaputt oder funktionieren gar nicht erst richtig. Daher wandern sie häufig direkt nach dem Verzehr der Schokolade in den Müll. Ebenso wie die Ei-Schutzhülle aus Plastik im Inneren der Schokolade und die bedruckte Alufolie, mit der die Überraschungseier eingewickelt sind. Beides findet meistens keine weitere Verwendung und wird weggeworfen.

Überraschungseier sind in den USA verboten

Und das hat seinen guten Grund: Kleinere Kinder können die Spielzeug-Kleinteile leicht verschlucken und daran ersticken. Zwar warnt der Hersteller davor auf der Verpackung, doch immer wieder kommt es zu Unfällen dieser Art. Daher ist es in den USA verboten, Überraschungseier einzuführen. Dort dürfen keine Lebensmittel verkauft werden, die anderes enthalten als essbare Bestandteile. Eine sehr vernünftige Regelung, wie wir finden!

Kinder-Joy - ähnlich wie Überraschungseier nur in Plastikschale Foto: Sofia Delgado

Kinder-Joy – ähnlich wie Überraschungseier nur in Plastikschale

Böse Überraschung: Das Überaschungsei von Ferrero hat viele Nachahmer

Dass ein Überraschungsei für viel Geld wenig Schokolade bietet und dazu Krimskrams für die Mülltonne, ist eigentlich bekannt. Und dennoch: Eine Eltern- und Großelterngeneration folgt der nächsten… Es sieht fast so aus, als würden sich Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten immer wieder neu an diesem Produkt versuchen. Das Produkt verkauft sich also noch immer gut, sonst gäbe es auch keine Nachahmer.

Doch damit nicht genug: Es gab bereits Star Wars-Schokoeier, noch auf dem Markt sind „Der kleine Maulwurf“-Schokoeier, nicht zu vergessen die rosaroten Barbie-Schokoeier mit einem Barbie-Accessoire im Inneren.

Was den Boom der Überraschungseier so ärgerlich macht, ist die Tatsache, dass inzwischen auch Bio-Produzenten diesem Dauer-Hype verfallen sind. Unter dem Namen „Ponchito“ werden Überraschungseier vertrieben, die aus Fairtrade-Vollmilchschokolade bestehen und innen eine Überraschung einem Fairtrade-Spielzeug bieten – natürlich wieder in Plastik verpackt!

Unsere Meinung dazu: Fairtrade hin oder her – rund um das Produkt gibt es immer noch sehr viel Müll! Wer gerne Fairtrade-Schokolade essen möchte, der sollte sich lieber eine Tafel davon kaufen, ohne zusätzlichen Plastik-Müll zu erzeugen.

Fazit: Es gibt viele süße Alternativen für die Ü-Eier, wenn es hauptsächlich nur um den Schokoladengenuss geht. Wer wirklich die Umwelt und seinen Geldbeutel schonen möchte, verzichtet auf dieses Produkt und schenkt seinen Kindern fair gehandelte Schokolade und nachhaltiges Spielzeug.

Quellen:

http://www.amazon.de/Star-Wars-Schoko-Ei/dp/B0074JKTGK

http://www.amazon.de/Rotstern-Der-kleine-Maulwurf-Schoko-Ei/dp/B00OX98902

http://www.worldofsweets.de/Barbie/Barbie-Schoko-Ei.html

http://www.livona.de/bio-test/ponchito-bio-ueberraschung-im-ei/

http://www.utopia.de/galerie/halloween-13-furchtbar-gute-suessigkeiten/2#content

(Text und Fotos: Sofia Delgado und Birgit Kuhn)

Teilen.

Kommentar hinterlassen.