Rezension: Raphael Fellmer. Glücklich ohne Geld!

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Raphael Fellmer: Gücklich ohne Geld. Redline 2013 (Cover: Redline Verlag)

(Cover: Redline Verlag)

Wie ich ohne einen Cent besser und ökologischer lebe. 224 S., kart. Redline 2013. ISBN 978-3-86881-505-4. EURO 14.99

Glücklich ohne Geld – bereits der Titel klingt wie eine Provokation. Klar, es gibt das geflügelte Wort „Geld macht nicht glücklich“. Aber glücklich ohne Geld – wie soll das gehen?

Im ersten Teil stellt Raphael Fellmer seinen Weg in die geldfreie Existenz vor. Er zeigt, wie er sich Schritt für Schritt weiterentwickelt hat – vom Jugendlichen, der gerne reist und die Welt kennen lernen möchte zum Erwachsenen, der das wachstumsorientierte System des Kapitalismus von Grund auf hinterfragt und für eine Kultur des Teilens, der Rücksichtnahme auf den Lebensraum Erde und des bewussten veganen Konsums eintritt.

Teilen ist alles. (Raphael Fellmer)

Im Mittelpunkt seines Denkens und Fühlens steht die Liebe. Nun ja, ein wenig ungewöhnlich ist das schon für einen Titel, der in einem Wirtschaftsverlag erschienen ist. Aber für Raphael Fellmer ist das Leben, das er führt, ohne Liebe nicht möglich: Egal, ob es um einen Übernachtungsplatz oder eine Mitfahrgelegenheit auf seiner „Reise ohne Geld“ nach Mexiko geht oder um Kleidung bzw. den Kinderwagen für sein Kind – alles erhält er umsonst. Oder, anders ausgedrückt: Er nimmt es nur an, wenn er es geschenkt bekommt. Im Gegenzug hält er Vorträge über seine Lebensphilosophie oder erledigt Arbeiten – von Gartenpflege bis hin zu Aufgaben am PC. Dabei versteht er seine Arbeit nicht als Tauschgeschäft – im Gegenteil: Jeder soll aus freien Stücken nur das und so viel geben, was er möchte.

Ist diese Art zu leben „Schmarotzertum“? Wenn ich ein Buch bespreche, schaue ich gern in Kundenrezensionen großer Online-Buchhandlungen. Bei Raphael Fellmer, so scheint es, scheiden sich die Geister: Einige finden ihn und seine Mission großartig, andere werfen ihm Schmarotzertum, Faulheit, Leistungsverweigerung und ähnliche weniger gute Eigenschaften vor.

Lebensmittel retten, Ressourcen bewahren

Wer so negativ über Raphael Fellmer urteilt, hat möglicherweise sein Buch nicht zu Ende gelesen. Während seiner Reise ohne Geld beschließt er, in Deutschland weiterhin ohne Geld zu leben. Dann kommt alles Schlag auf Schlag: Um Essen umsonst zu erhalten, geht er „Lebensmittel retten“, d.h. er fischt nachts aus den Müllbehältern von Öko-Supermärkten Lebensmittel, die noch genießbar sind. Dabei sammelt er mehr Lebensmittel als er mit seiner Lebensgefährtin und der neugeborenen Tochter konsumieren kann. Wohin damit? Er stößt er zu den Machern von foodsharing.de, einer Plattform, auf der jeder, der Lebensmittel abzugeben hat, Geschenkkörbe einstellen und damit Lebensmittel vor dem Wegwerfen retten kann.

Sein bewusster Verzicht auf Geld sorgt für Aufmerksamkeit. Es kommen jede Menge Auftritte in den Medien, Interviews, Reportagen u.v.m. – Raphael Fellmer wird in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt. Seine Bekanntheit setzt er dafür ein, das Projekt foodsharing.de und – neu – lebensmittelretten.de voranzubringen und generell auf die Verschwendung von Ressourcen hinzuweisen.

Konsumverzicht mit Spaß

Was ist das Besondere an Raphael Fellmer? Er betont, dass er ohne Geld glücklich ist. Wir alle wissen, dass ein wirklich ökologisches Leben letztendlich weniger Konsum, kurz: Verzicht bedeutet – auch Raphael Fellmer weist anhand vieler Beispiele über unseren ausufernden und umweltschädlichen Konsum darauf hin. Dabei stellt er dem notwendigen Verzicht auf Konsum etwas gegenüber, was weit mehr zählt, als Konsum bieten kann: Spaß am Leben, Spontaneität, Neugier, Abenteuerlust und Liebe. Raphael ist kein griesgrämiger Besserwisser, der Verzicht predigt und den Mangel preist. Raphael hat Spaß am Verzicht an materiellen Dingen, weil er durch das Teilen, Annehmen von Geschenken und Weiterverschenken etass erhält, was ihm viel mehr bedeutet – Aufmerksamkeit, Anerkennung und Freundschaft.

Fazit: Lohnt sich das Buch? Ich denke, ja. Auch wenn viele Informationen nicht wirklich neu sind – etwa zu den Ausmaßen der Lebensmittelverschwendung oder zu den Missständen in der Textilindustrie in der so genannten Dritten Welt -, die Art und Weise, wie Raphael Fellmer seine Botschaft vom Teilen und Konsumverzicht vermittelt, ist einzigartig. Manch einer mag sich an der ein wenig überbordenden, sehr gefühlvollen Sprache stören. Doch das sind Formalien. Sehr viel wichtiger ist, dass eine Familie von Dingen, die ganz offensichtlich niemand braucht, über Jahre leben kann. Sie zeigt, wie verbreitet der Überfluss in unserer Gesellschaft ist. Oder, anders herum ausgedrückt: Wie viele Ressourcen sinnlos für Dinge verschwendet werden, die nicht genutzt werden.

Cover: Redline Verlag

Bei seinem Buch ist Raphael Fellmer seiner Kultur des Schenkens und Weitergebens treu geblieben. Ein Großteil der Exemplare wird kostenlos abgegeben. Wo man das Buch kostenlos downloaden, wo es das Buch umsonst gibt und  wie man es weitergeben kann, ist hier nachzulesen:

http://www.gluecklich-ohne-geld.de/

Wer das Buch bestellen und mit soziale Projekte unterstützen möchte, ist hier an der richtigen Adresse:

www.buch7.de/store/product_details/1021281385

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