Räubersachen – ökologische Kinderkleidung mieten

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Räubersachen steht für Kleidung, in der Kinder ohne Hemmungen draußen spielen. Auf ihrem gleichnamigen Portal bietet Astrid Bredereck seit Mitte Mai 2015 ökologische Kinderkleidung zum Mieten. Inzwischen haben viele Kleidungsstücke Gebrauchsspuren und müssen repariert werden. Astrid Bredereck möchte deshalb mit einem Crowdfunding auf Startnext einen Reparaturfonds für Räubersachen gründen. Wir haben mit Astrid Bredereck über ihr Projekt gesprochen.

M-Q: Sie sind mit Räubersachen vor eineinhalb Jahren gestartet. Wie war bzw. ist die Resonanz auf Ihr Angebot?
Astrid Bredereck: Die Resonanz ist umwerfend, dem Konzept fliegen die Herzen wirklich zu. Viele Mütter suchen genau nach diesem Angebot und finden es wunderbar, alles versammelt bei Räubersachen leihen zu können. Die Menschen wissen, dass ein Umdenken wirklich Not tut und freuen sich sehr über das Angebot und den neuen Weg, den sie damit gehen können.

M-Q: Wie viele verschiedene Kleidungsstücke kann man aktuell bei Räubersachen mieten?
Astrid Bredereck: Das weiß ich auf Anhieb nicht, denn Zahlen sind nicht meine Leidenschaft. Auf jeden Fall werden es täglich mehr und in meinen Augen ist alles wirklich Notwendige dabei. Zur Zeit sind viele Sachen ausgeräubert, aber wir bemühen uns um Nachschub und es kommen ja auch täglich viele Sachen wieder zu uns zurück. Seit kurzer Zeit kann man sich auf unserer Seite benachrichtigen lassen, wenn ein gewünschtes Stück wieder im Lager ist, das vereinfacht einiges.

M-Q: Gibt es eine Sommer- und eine Winterkollektion?
Astrid Bredereck: Nein, denn wir halten nichts von Kollektionen. Für uns liegt darin genau das Problem des ständig „Neuem und Besserem“. Bei der Wahl der Hersteller für Räubersachen, geht es vor allem darum, dass die Artikel beständig produziert werden. Es sind Sachen, die sich einfach bewährt haben und die zum Teil seit Jahrzehnten genauso angeboten werden. Und das ist sehr gut so und absolut unterstützenswert. Ein Kind braucht nicht ständig neue Farben und Muster, es braucht ein gutes Material mit wunderbaren Eigenschaften und einen auf seine Bedürfnisse eingehenden Schnitt. Das genügt vollkommen.
Natürlich gibt es bei uns Kleidung, die den Jahreszeiten entspricht. Viele wissen noch nicht wie großartig Wolle/Seide vor allem auch im Sommer ist und welche Vorteile das Material mit sich bringt. Im Herbst und Winter denkt man schon eher an Wolle. Unser kleiner Sohn trägt seit knapp vier Jahren zu allen Jahreszeiten Räubersachen.

M-Q: Gebrauchte Kinderkleidung, auch ökologische, gibt es auf Kinderkleidungs-Flohmärkten und –Bazaren günstig zu kaufen. Warum macht es aus Ihrer Sicht dennoch Sinn, bei Räubersachen gebrauchte Öko-Kinderkleidung zu mieten?
Astrid Bredereck: Dort wo wir leben, in Halle (Saale), habe ich die Flohmärkte umsonst nach ökologischer Kleidung abgeklappert. Und wenn ich mal etwas gefunden habe, dann leider nicht in der passenden Größe. Auch ist es wirklich mühsam, sich alles so zusammen suchen zu müssen und braucht viel Zeit. Vielleicht klappt das in Großstädten, aber sicher nicht überall in Deutschland.

Räubersachen mit Schmuckstücken (Foto: Räubersachen)

Räubersachen mit Schmuckstücken (Foto: Räubersachen)

Räubersachen schafft eine Plattform, auf der all die wunderbaren Kindersachen versammelt sind und man auch gleich noch Schuhe mit dazu bekommen kann. Zudem kann man den Zustand der Kleider auswählen und somit entscheiden, wieviel Geld man ausgeben möchte. Wir wünschen uns mit Räubersachen einen Ort zu schaffen, an dem Mütter die (aus unserer Sicht) schönsten und sinnvollsten Sachen für ihre Kinder leihen können, eine gute Beratung finden und auch gleichzeitig noch Inspiration zur Pflege und Reparatur.
Durch das Mieten können die Eltern die Sachen jederzeit an uns zurück senden und wir kümmern uns darum. Ein aufwändiges Weiterverkaufen oder Stapel im Kleiderschrank (womöglich noch mit Besuch von Motten) fallen einfach weg. Man mietet, was man braucht und gibt es anschließend wieder zurück.

M-Q: Kinder gehen nicht immer pfleglich mit Kleidung um. Was passiert, wenn ein geliehenes Kleidungsstück nach der Mietzeit Gebrauchsspuren hat? Wer kommt für den Schaden auf?
Astrid Bredereck: Wenn ein Stück Gebrauchsspuren hat, nehmen wir es liebevoll entgegen und schauen, was wir tun können. Spuren sind für mich etwas sehr Schönes, denn sie erzählen vom gelebten Leben. Die Eltern werden nur in Fällen von eingelaufener Kleidung oder Verlust von uns gebeten den Restwert des jeweiligen Stückes zu übernehmen. Uns ist es sehr wichtig, dass die Familien die Sachen entspannt nutzen. Alle sollen sich damit wohl fühlen und nicht ständig aufpassen müssen, deshalb habe ich auch den Namen Räubersachen gewählt.

M-Q: Kann man die Kleidung nach Ablauf der Mietzeit auch kaufen, z.B. für das jüngere Geschwisterkind?
Astrid Bredereck: Ja, natürlich, wenn man etwas behalten möchte, ist das jederzeit möglich.

Räubersachen will einen Reparaturfonds für die Miet-Kleidung einrichten

M-Q: Mit Hilfe eines Crowdfundings auf Startnext möchten Sie einen Reparaturfonds einrichten, aus dem die Reparaturen finanziert werden. Damit soll vermieden werden, dass die Reparaturkosten auf den Räubersachen-Mietpreis umgeschlagen werden. Was ist, wenn die Mittel aus dem Reparaturfonds aufgebraucht sind?
Astrid Bredereck: Wir wünschen uns, dass der Reparaturfonds langfristig zu Räubersachen dazu gehören wird und wir Möglichkeiten und Wege finden, diesen immer wieder zu füllen. Die Kampagne bei Startnext ist ein Anfang und zeigt, dass Reparieren von Kleidung ein Thema für die Menschen ist. Vielleicht verlegen wir ein Buch über das Stopfen, dessen Erlöse in den Fonds fließen oder bieten regelmäßig Kurse an. Mit Sicherheit schlummern da noch ganz andere Ideen in uns, die ans Licht kommen werden, wenn die Zeit gekommen ist.

Foto: Henry Sowinski

Räubersachen werden aufwändig repariert und erhalten damit eine persönliche Note. Foto: Henry Sowinski

M-Q: Mit dem Reparatur-Service möchten Sie alte Stopf- und Häkeltechniken bewahren und weitergeben. Wer soll die Reparaturen an den Räubersachen ausführen?
Astrid Bredereck: Im Moment reparieren vor allem drei Frauen, drei junge Mütter, für Räubersachen. Sie haben ihr Wissen von den Eltern oder Großeltern. Ich bin da im Vertrauen und sicher, dass die geeigneten Menschen zu uns finden, bzw. wir zu ihnen. Erst kürzlich durch die Kampagne gibt es wieder einige Anfragen, ob man bei uns mitreparieren kann.
Aber auch eine Zusammenarbeit mit älteren Menschen ist angedacht. Ich würde zum Beispiel gern einen Stopfkreis ins Leben rufen: Alte Frauen kommen zusammen, reparieren kleine Babysächelchen und können sich dabei austauschen und begegnen. Ich bin mir sicher, dass wir noch ganz viel von ihnen lernen können.

M-Q: Aktuell gibt es vor allem Kleidung für Babys zu mieten, vereinzelt auch für Kleinkinder. Wollen Sie Ihr Angebot in Zukunft auf ältere Kinder ausweiten?
Astrid Bredereck: Ich lasse das auf uns zukommen. Im Moment haben wir erst einmal alle Hände voll zu tun, mit dem was gerade ist. Manchmal bestelle ich allerdings schon auch ein paar größere Sachen mit, einfach weil ich weiß, dass manche Mütter sich so darüber freuen.
Ob das Mietkonzept für größere Kinder wirklich Sinn macht, weiß ich noch nicht so genau. Unser kleiner Sohn wächst ja auch vor sich hin und mal schauen, was für neue Sachen wir diesbezüglich in nächster Zeit so entdecken werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Information und Kontakt:
Räubersachen
ökologische und nachhaltige Kleidung für Babys und Kleinkinder mieten

Diplom Künstlerin
Astrid Bredereck
Triftstraße 19 a
06114 Halle/Saale

Email: kontakt@raeubersachen.de
Telefon: 0345 – 44501651
Web: www.raeubersachen.de
https://www.startnext.com/raeubersachen/

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