Nachhaltig und umweltbewusst leben – für viele gehört ein nachhaltiger Job dazu. Birgit Kuhn und Dr. Sofia Delgado, die Gründerinnen von muenchen-querbeet.de, haben Oliver Adria, den Betreiber der neuen Jobbörse www.nachhaltigejobs.de zu seinem Web-Angebot interviewt.
M-Q: Sie sind Betreiber der Website Faktor N, die sich mit nachhaltigen Lebensstilen und Karriere befasst. Warum haben Sie – zusätzlich zu Faktor N – ein Web-Portal für nachhaltige Jobs gestartet?
OA: Faktor N fokussiert sich vor allem auf das Thema Nachhaltige Lebensstile, versucht also Fragen zu beantworten wie: Wodurch kann ich meinen ökologischen Fußabdruck verringern, wie kann ich durch meinen Konsum Ressourcen schonen? Ab und zu sind auch mal Stellenangebote erschienen, doch diese wurden nicht systematisch sortiert oder aufgelistet und man musste sich ein bisschen durchwühlen. Zur gleichen Zeit hatten mich immer mehr Freunde gefragt „Weißt du von einer freien Stelle im Bereich Nachhaltigkeit?“ Viele hatten mir gesagt, dass sie etwas „Sinnvolles“ machen, etwas Positives beitragen wollen und daher einen neuen Job suchen. Nach mehreren Monaten Nachdenkzeit und einer Namenssuche für solch ein Portal ist die erste Version von NachhaltigeJobs nach einem 3-tägigen Programmiermarathon entstanden.
M-Q: Was genau ist ein „nachhaltiger Job“?
OA: Das ist keine einfache Frage. Meine persönliche Antwort für die Jobbörse ist: Der Job wirkt sich in sozial-gesellschaftlicher und / oder ökologischer Hinsicht positiv aus. Das heißt, es ist zum Beispiel eine Stelle als Berater im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility), als Eventmanager in einer Fotovoltaik-Firma oder im Bereich Marketing eines ‚grünen‘ Startups. Doch auch mit dieser Definition gibt es keine klaren Grenzen – es wird immer wieder Einzelfalldiskussionen geben.
M-Q: Im Netz gibt es bereits zahlreiche Jobbörsen dieser Art. Allein auf der Website www.drehscheibe-nachhaltigkeit.de sind über zehn weitere Job-Portale in Deutschland für nachhaltige Jobs aufgeführt. Was machen Sie anders als die anderen Anbieter?
OA: Wenn man sich die Jobbörsen genau anschaut, sieht man, dass sich die meisten um das Thema Umwelt(-technik) oder Erneuerbare Energien drehen. Einige weitere behandeln das Thema Entwicklungszusammenarbeit. Doch aufstrebende Themen wie CSR (Corporate Social Responsibility, also gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen), Nachhaltiger Konsum oder auch Social / Sustainable Entrepreneurship werden noch recht wenig oder gar nicht abgedeckt. In diesen Bereichen will NachhaltigeJobs sich positionieren.
Weiterhin will ich das Thema Social Media stärker integrieren und auch den persönlichen Kontakt im Fokus haben. So schreibe ich persönlich jede Woche den Newsletter und stelle ab und zu auch mal Fragen im Newsletter oder in den Social-Media-Kanälen. Ich will wissen, „wo der Schuh drückt“ bei den Jobsuchenden. Ich will wissen, was ihre Probleme sind und womit sie zu kämpfen haben, damit ich das NachhaltigeJobs-Angebot und die Funktionen an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen kann.
Gleichzeitig frage ich auch Unternehmen, welche Schwierigkeiten sie bei der Suche nach dem richtigen Mitarbeiter haben. Erst durch diesen Kontakt mit Jobsuchenden und mit Arbeitgebern können wir das Angebot an Dienstleistungen und Funktionen sinnvoll erweitern.
M-Q: Ihr Webangebot www.nachhaltigejobs.de hat Stellenangebote, aber keine Rubrik für Stellengesuche. Warum fehlt dieser Service für Jobsuchende?
OA: Wir sind noch in der Anfangsphase der Entwicklung und arbeiten im Hintergrund weiter. Jedoch will ich sicherstellen, dass die Funktionen, die es jetzt gibt, richtig gut funktionieren und weiter verbessert werden. Mit der Zeit kommen dann neue Funktionen dazu. Die Funktionen, die intensiv genutzt werden und hilfreich sind, werden weiterentwickelt — die, die schön anzusehen, aber nicht wirklich nützlich sind, kommen weg.
Ich bin noch nicht so überzeugt, dass eine einfache Auflistung der Stellengesuche so sinnvoll ist. Aber wir sind kontinuierlich am Testen und wenn es doch als sinnvoll erscheint, dann wäre so eine Funktion in Zukunft schon denkbar.
M-Q: Sie stammen aus Indonesien, sind in mehreren Kulturen verwurzelt, und publizieren auf Deutsch und Englisch. Gibt es auf www.nachhaltigejobs.de auch internationale Job-Angebote?
OA: NachhaltigeJobs ist sehr stark auf den deutschsprachigen Markt fokussiert. Ab und zu gibt es mal Ausschreibungen z.B. aus der Schweiz. Eine Jobbörse, die jedoch international ausgerichtet ist, würde nochmal anders gestaltet sein und müsste auch Englisch oder sogar mehrsprachig sein. Wir wollen uns in dieser Phase auf Jobs in Deutschland fokussieren – internationale Job-Angebote kommen ggfs. in Zukunft verstärkt dazu, wenn die Nachfrage da ist. Das habe ich auf dem Radar, ist aber erst mal keine Priorität.
M-Q: „Erst im März 2012 gegründet, werden monatlich schon 45.000 Seiten aufgerufen (“Pageviews”, Juni 2012) schreiben Sie auf www.nachhaltigejobs.de. Wie erklären Sie sich den raschen Erfolg der Website?
OA: Natürlich hat NachhaltigeJobs durch das Portal Faktor N eine „Starthilfe“ bekommen. Durch immer mehr Anfragen, ob ich von freien Stellen weiß, und auch durch die Analyse der Website-Statistiken von Faktor N, habe ich gemerkt, dass das Thema Jobs und Nachhaltigkeit immer verstärkt nachgefragt wird. Eine Mischung aus statistischer Berechnung, Bauchgefühl, Fokussiertheit und Glück haben letztendlich den guten Start gebracht.
Ich habe mich über den guten Start sehr gefreut und auch jetzt bleibt das Wachstum stark, doch wir müssen zusehen, dass wir innovativ bleiben. Und neben Wachstum ist mir auch schon am Anfang wichtig, profitabel zu arbeiten. Derzeit sieht es gar nicht mal so schlecht aus, doch um uns stärker zu etablieren, sind wir weiterhin auf der Suche nach langfristigen Kunden und den richtigen, strategischen Kooperationspartnern.
M-Q: Was sind Ihre Ziele für das kommende Jahr?
OA: Im Team unterstützt mich derzeit ein talentierter studentischer Designer bei der Gestaltung der Webseite und auch des Offline-Angebots (z.B. Flyer, Visitenkarten, etc). Obwohl ich richtig gerne programmiere und mich um die technischen Aspekte kümmere, würde ich in Zukunft doch gerne eine technisch versierte und engagierte Person mit an Bord holen, damit ich mehr Zeit habe, mich um strategische Aspekte und Geschäftsentwicklung zu kümmern. Im Mittelpunkt wird weiterhin das effiziente Zusammenbringen von engagierten Arbeitsuchenden mit den nachhaltigen Unternehmen stehen — und ich möchte dies für beide Seiten so einfach und effektiv wie möglich gestalten.
M-Q: Herr Adria, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Über Oliver Adria
Oliver Adria, 30, ist seit über 6,5 Jahren im Bereich Nachhaltigkeit aktiv. Seit Anfang 2012 betreibt er die Jobbörse NachhaltigeJobs, die vor allem Jobangebote aus den Bereichen CSR (Corporate Social Responsibility, Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung), Nachhaltigkeit und Umwelt veröffentlicht.
Seit Anfang 2006 ist er am CSCP (Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production) tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte dort sind Nachhaltige Produkte, Einzelhandel, Lebenszyklusanalysen und nachhaltigere Lebensstile.
Seit 2007 betreibt er die Nachhaltigkeitsplattform Faktor N (http://www.faktorn.de/), die sich vor allem mit den Themen nachhaltige Lebensstile und nachhaltige Karriere beschäftigt.
Davor war er mehrere Jahre als Student am Fraunhofer Institut für Autonome Intelligente Systeme und kurz bei RWE Innogy (Erneuerbare Energie-Tochter von RWE) tätig. Als Student war er über einen längeren Zeitraum bei der internationalen Studentenorganisation AIESEC aktiv, unter anderem im Kölner Vorstand und als Trainer im Bereich Nachhaltige Entwicklung.
Oliver Adria hat sein Elektrotechnik-Studium an der FH Köln absolviert und hat davor 19 Jahre in Indonesien gelebt, wo er die Deutsche Internationale Schule Jakarta besucht hat.
(Quelle: www.nachhaltigejobs.de)






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