nearBees: Regionaler Honigvertrieb in Spezialverpackung

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Kleine, regionale Imker haben es nicht ganz so einfach wie große Honig-Erzeuger, auf Ihre Produkte aufmerksam zu machen. Zudem lohnt sich der Onlineverkauf von Honig wegen der Versandkosten nur bei großen Mengen – und die bieten regionale Imker in der Regel nicht. Für beide Probleme hat  das Münchner Startup nearBees eine Lösung gefunden. Sofia Delgado und Birgit Kuhn, die Gründerinnen von muenchen-querbeet.de, sprachen mit Viktoria Schmidt über die Vermarktungsplattform nearBees und ihre innovative Honig-Verpackung.

M-Q: Was genau erwartet in Zukunft die Besucher auf nearBees, Ihrer Vermarktungs-Plattform für regionalen Honig?

Schmidt: Haben sie beim Einkaufen schon einmal darauf geachtet, woher ihr Honig stammt? Sofern sie ihren Honig aktuell im Supermarkt und nicht direkt bei einem Imker kaufen, stammt er mit ziemlicher Sicherheit nicht aus Deutschland, denn über 80% des Honigs hierzulande wird importiert. Während billige Produkte aus dem Ausland in anderen Bereichen vor allem ein Problem für die hiesigen Erzeuger darstellen, führen sie in der Imkerei auch zu einem Schaden für die ganze Gesellschaft. Denn der Honig lässt sich zwar importieren, die Hauptleistung der Bienen, die Bestäubung von Pflanzen, jedoch nicht.
Unser Ziel ist es daher den Honigkonsum wieder zu re-regionalisieren und somit lokale Bienenhalter zu stärken und eine lebenswerte, grüne Nachbarschaft zu erhalten.
Dazu haben wir die nearBees-Plattform entwickelt über die Imker ihren Honig verkaufen können. Kunden können dort nach Bienen in ihrer direkten Umgebung suchen und deren Honig beziehen. Zusätzlich wird es auch möglich sein, nach speziellen Honigsorten zu suchen oder ein Honigabo zur langfristigen Unterstützung eines lokalen Imkers abzuschließen.
nearBees ist dabei vor allem für kleinere Hobbyimker gedacht. Bei diesen steht die Arbeit an den Bienen im Vordergrund und viele haben keine Zeit oder kein Interesse an einer aufwendigen Vermarktung oder dem Verkauf ab Hof oder Haustür. Schließlich ist das Bienenhalten ihr Hobby und nicht der Verkauf von Honig.

nearBees – Honig von Nebenan ist vor dem Start

M-Q: Noch ist nearBees nicht gestartet. Wann planen Sie den „Honig von Nebenan“, so der Slogan auf Ihrem Portal, anzubieten?

Schmidt: Aktuell arbeiten wir an der Umsetzung eines Pilottests im Großraum München. Dieser wird voraussichtlich Ende Juli starten. Dazu sind wir aktuell auf der Suche nach Imkern, die mit uns gemeinsam das Konzept testen und ihren Honig über nearBees verkaufen möchten. Interessierte Imker können uns gerne direkt unter imker@nearbees.de anschreiben.

M-Q: Starten Sie deutschlandweit oder beschränken Sie sich erst einmal auf eine Region?

Schmidt: Nach unserem Start in München werden wir das Angebot sukzessiv auf ganz Deutschland erweitern und dabei ein deutschlandweites Bienenverzeichnis aufbauen. Auch Imker, die nicht am Onlineverkauf teilnehmen möchten, können sich in unsere Datenbank kostenlos eintragen, um von Besuchern unserer Plattform kontaktiert werden zu können. Jeder soll die Möglichkeit erhalten, Honig von den Bienen aus seiner Nachbarschaft zu beziehen. Denn diese begegnen einem bereits täglich im Garten, auf dem Balkon oder während des Nachhausewegs in städtischen Grünanlagen.

M-Q: Regionale Imker können in Zukunft Ihren Honig über nearBees vermarkten. Kostet das Gebühren?

Schmidt: Gebühren im Sinne einer Anmeldegebühr oder eines Mitgliedschaftsbeitrags gibt es bei uns nicht. Teilnehmende Imker entrichten erst beim erfolgreichen Verkauf eine faire Provision an uns. Unsere Vision durch nearBees den Bienenrückgang in Deutschland aufzuhalten verfolgen wir aktuell noch nebenberuflich. Um das Projekt weiter voran zu treiben, möchten wir aber unser Social StartUp gerne zur Hauptbeschäftigung machen. Mit den Einnahmen decken wir die dabei anfallenden Kosten und ermöglichen allen Mitarbeitern ebenfalls ein faires Einkommen.

M-Q: Um die Versandkosten möglichst gering zu halten, haben Sie eine neuartige Honigverpackung aus Kunststoff entwickelt. Aus welcher Art Kunststoff – Bio-Kunststoff oder erdölbasiertem Kunststoff – besteht die Verpackung und wie lebensmittelecht ist das Material?

Schmidt: Wir arbeiten aktuell tatsächlich an zwei unterschiedlichen Varianten der Verpackung. Einer Variante aus regulärer Kunststofffolie und einer basierend auf nachwachsenden Rohstoffen. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrer Materialität sondern auch in der Art und Weise wie die Imker diese mit Honig befüllen und anschließend verschließen können. Für welche der beiden Varianten wir uns dann letztendlich entscheiden werden, hängt daher auch stark vom Feedback während des Pilottests ab.

Flexible Folienverpackungen haben sich bereits in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie durchgesetzt, bestes Beispiel dafür sind Frucht- und Gemüsepürees für Kleinkinder. Auch unsere Honigverpackung wird jegliche Normen bezüglich Lebensmittelechtheit erfüllen und einen rückstandsfreien Honig garantieren.

M-Q: In welchen Größen bieten Sie die Beutel an und was genau ist der Vorteil?

Foto: nearBees

Innovative Honigverpackung (Foto: nearBees)

Schmidt: Der größte Vorteil unserer Honigverpackung ist, dass er sehr bequem und kostengünstig zugestellt werden kann und somit den Onlineverkauf von Honig überhaupt erst interessant macht. Bisher fallen dort zusätzlich zum Preis des Honigs Versandkosten in Höhen von bis zu 6,90€ an. Mit unserer Honigverpackung können Imker den Honig in ihrer direkten Nachbarschaft entweder selbst zustellen oder bei weiter entfernteren Kunden einfach in den nächsten Postbriefkasten werfen. Aber auch für den Kunden bringt unsere Verpackung einige Vorteile mit sich. Durch den Briefversand muss kein Päckchen mehr angenommen werden und die lichtdichte Versandverpackung schützt den Honig optimal bis zum Verbrauch. Weitere Vorteile in der Benutzung der Verpackung sind die Dosierfunktion durch einen Ventilverschluss und die Möglichkeit den Honig, falls er einmal kristallisiert und hart geworden ist, wieder ohne zusätzliche Wärmeeinwirkung zu verflüssigen. Als Packungsgröße wird es vorerst die einheitliche Größe von 400g geben.

M-Q: Viele regionale Imker bieten ihren Honig in Pfandgläsern an und sorgen damit dafür, dass die Gläser mehrfach verwendet werden. Wie ist das mit Ihrer Verpackung? Was passiert mit den leeren Plastikbeuteln?

Schmidt: Generell ist es nicht unser Ziel den bestehenden Direktvertrieb mit dem sinnvollen Einsatz des Honigglases zu unterwandern, vielmehr wollen wir diesen mit unserem Konzept ergänzen. Unsere Zielgruppe sind Kunden, denen Regionalität und transparente Herkunft am Herzen liegen, denen die Besorgung von lokalem Honig aber bisher nicht möglich oder zu aufwändig ist. Diese kaufen aktuell Honig im Supermarkt und keiner der großen Honigabfüller wie Langnese oder Breitsamer bietet ein Pfandsystem auf seine Gläser an.

Es gibt einige interessante Projekte für ein sinnvolles Recycling von dieser Art von Verpackung, wie beispielsweise das Upcyclingprogramm von terracycle.com.

Das ist allerdings für ein gerade startendes Projekt wie nearBees noch Zukunftsmusik und unsere Honigbeutel werden vorerst über den Wertstoffkreislauf des Grünen Punktes entsorgt werden.

M-Q: Kunststoff und Plastik sind ebenso mediale Reizwörter wie Bienensterben. Warum haben Sie sich trotz des aktuellen negativen Plastikdiskurses für dieses Material entschieden?

Schmidt: Generell denke ich, dass eine ganzheitliche Betrachtung bei der Einschätzung von Kunststoff notwendig ist und Glas nicht immer die ökologisch sinnvollere Wahl ist. So fällt Seitens des Honigglases neben der Herstellung die sehr hohe Belastung durch den Transport ins Gewicht. So ein leeres Honigglas wiegt schließlich ein halbes Pfund und muss vom Hersteller zum Verkäufer zum Imker und zum Verbraucher transportiert werden. Und es bleibt ja nicht bei dem Glasbehälter. Ein gängiges Honigglas beispielsweise besteht aus Glas, Deckel und Deckelinlay. Allein der Deckel enthält fast genauso viel Kunststoff wie der gesamte Honigbeutel von nearBees.

Ich denke belegbare Hochrechnungen für Beutelverpackungen im Getränkebereich sind gut auf unsere Honigverpackung übertragbar. Dort  lassen sich gegenüber konventionellen Glasverpackungen bis zu 85% Abfall und 55% CO2-Emmissionen einsparen.

Unter diesen Gesichtspunkten relativiert sich der Einsatz von einer Kunststoffverpackung, die in unserem Konzept erst die direkte Unterstützung von kleineren Bienenhaltern ermöglicht, wieder.

M-Q: Sie haben mit nearBees den SocialPitch bei der SensAbiliy Konferenz der WHU gewonnen. Wie profitiert Ihre nachhaltige Geschäftsidee von dem Preis?

Schmidt: In erster Linie war der SocialPitch für uns eine Möglichkeit unser Konzept vor namhaften Investoren für Projekte mit gesellschaftlichem Mehrwert zu präsentieren und aus dieser Richtung ein hilfreiches Feedback zu erhalten. Darüber hinaus haben wir natürlich sehr viele interessante Kontakte knüpfen und Unterstützer mit unserer Vision des unmittelbar lokalen Honigkonsums begeistern können.

Vielen Dank für das Interview!

Viktoria Schmidt

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Viktoria Schmidt
Gründerin von nearBees

Viktoria Schmidt hat selbst Bienen und die Imkerei hat eine lange Tradition in ihrer Familie. In ihrer Masterarbeit im Studiengang „Advanced Design“ hat sie sich mit den Veränderungen im Zusammenleben von Mensch und Biene auseinandergesetzt und die Grundidee von nearBees – ein neuartiges Vertriebsmodell für heimischen Honig – entwickelt.

Als selbstständige Designerin arbeitet sie zusammen mit ihren drei Mitgründern aktuell nebenberuflich an der Umsetzung von nearBees. Sie ist dort für den Kontakt mit den lmkern zuständig und kümmert sich um die gestalterischen Arbeiten von Produkt- bis Grafikdesign.

Kontakt:

Viktoria Schmidt
viktoria@nearbees.de

http://www.nearbees.de

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7 Kommentare

  1. balabushka am

    Als ich innovative Verpackung gelesen habe, schwante mir schon Übles… Und ich hatte leider recht.

    Innovativ ist nicht immer besser – ein wiederverwendbares Glas vom lokalen Imker ist wohl nicht so leicht zu toppen!

    • Ein Pfandglas beim lokalen Imker ist nicht leicht zu toppen – da haben Sie vollkommen Recht! Wir haben es dennoch versucht, denn vor allem kleinere Imker haben oftmals Probleme ihren Honig zu vertreiben und das Honigglas mag eine Ursache dafür sein.

      Das Mehrweg-Honigglas ist ideal für den Direktvertrieb. Für viele Hobbyimker ist der Verkauf ab Hof/Haustüre jedoch zu aufwendig geworden und passt nicht mehr in ihr Lebensmodell. Bei ihnen steht das Hobby, die Arbeit an den Bienen im Vordergrund. Von der zeitaufwendigen Vermarktung sind viele überfordert. So findet man selbst im Großraum München – trotz der fast 1000 ortsansässigen Imker – teilweise nur schwer wirklich lokalen Honig.

      Unser Ziel ist es nicht, die bestehende Direktvermarktung mit dem sinnvollen Einsatz des Honigglases zu unterwandern. Wir möchten vielmehr Imkern, die ihren Honig bisher nicht vermarkten können, den Honigverkauf erleichtern. Und das sehen wir als den Mehrwert unserer Verpackung – die Möglichkeit Honig bequem und zeitsparend Online zu vermarkten und somit für ein reiches Angebot an regionalen Honig zu sorgen. Dies ist mit dem bisherigen Honigglas (und durchschnittlichen Versandkosten von 5 bis 6€) weder für Imker noch für Kunden möglich.

  2. Laurenzerl am

    Innovative Verpackung, das ist eine Verpackung, die die Umwelt nicht schadet, wenn sie auf den Müllberg landet… wenn überhaupt, denn es könnte sein, dass sie woanders landet, da wo sie nicht hingehört, um dann die Plastic Soup im Ozean zu vergrößern.
    Plastic Soup: NEIN, DANKE! Es muss kein Kunststoff mehr produziert werden, basta! Dazu gibt es keine Alternative. Auch nicht aus nachwachsenden Rohstoffen… ddie halt zu Monokulturen werden, wie nett 🙁 Und Acker, die zur Nahrungproduktion dienen könnten, beschlagnahmen, auch Blödsinn.
    Kunsstoff auszusuchen für ein Naturprodukt ist wirklich Schwachsinn.

    • Weniger Kunststoff, weniger Abfall und eine Verpackung die der Umwelt nicht schadet – das ist das Ziel von nearBees!
      Die große Mehrheit des in Deutschland gekauften Honigs ist weiterhin importiert und landet nach weiten Strecken letztendlich in Supermärkten, Discountern & Co. Die große Mehrheit der Honigläser aus dem Supermarkt sind Einweg-Gläser und enthalten ein Vielfaches der Kunststoffmenge unseres Honigbeutels. Dazu kommen höhere CO2-Emissionen für den Transport der schweren Glasbehältnisse und im Falle des Einweg-Supermarktglases, fast 95 Prozent mehr Abfall. Ob man nun Glas oder Kunststoff bevorzugt bleibt eine individuelle, auch von subjektiven Präferenzen beeinflusste, Entscheidung. Für eine rationale Analyse in Bezug auf Ökologie und Nachhaltigkeit ist jedoch eine ganzheitliche Betrachtung nötig. Unsere Verpackung für den kommenden Pilottest enthält ca. 5g Kunststoffanteil und 50g Kartonanteil (mit Versandmaterial). Ein konventionelles Honigglas schlägt hier mit ca. 15g Kunststoffanteil und ca. 250g Glasanteil (zuzüglich Versandmaterial) zu Buche.

      Eine Verpackungsentwicklung ist ein langer Prozess und wir arbeiten gemeinsam mit unseren Imkern an der Weiterentwicklung unserer Lösung.
      Für konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge sind wir immer offen. Gerne direkt hier im Forum, per Mail an mich (viktoria@nearbees.de) oder auch bei einem persönlichen Treffen.

      Viktoria

  3. Wer wirklich regionalen Honig kaufen will braucht keinen Versand im Plastikbeutel. Man bedenke die katastophale CO2 Bilanz von Internethändlern. Bei mir in der Straße finden die zig verschiedenen Paketzusteller im Laufe des Tages keine Parkplätze mehr. Also keinen Kunststoff und keine UPS, DHL, Hermes…..
    In München gibt es so viele Imker, bei denen man Honig im Mehrwegglas kaufen kann.
    Diese sind leicht im Internet zu finden z.b. bei „München summt“ oder „Imkerverein München“ oder „Imkerverein Nymphenburg“ „Imkerverein Starnberg“ . Fast jeder Ort hat einen Imkerverein mit Homepage und der Weg zum nächsten Imker ist nicht weit.

    leckere Honiggrüße
    Thomas

    • Lieber Thomas,

      für verstopfte Straßen möchten wir natürlich auch nicht sorgen. Der Honig wird bei uns entweder CO2-neutral über die normale Briefpost oder vom Imker persönlich zugestellt.
      Durch die flache Verpackung kann er direkt in den Briefkasten abgelegt werden. Das klappt natürlich auch, wenn niemand zu Hause ist.

      Ja, in München gibt es zum Glück viele Imker! Von den ca. 1000 ortsansässigen Imkern findet man leider jedoch nur sehr wenige im Internet. Schaut man bei z.B. bei der vorbildlichen Initiative „München summt“, sind dort im Münchener Großraum nur 12 Imker zu finden. Und nicht jeder Honigkäufer macht sie die Mühe, zeitaufwendig nach dem nächsten Imker zu suchen. Wer die Imkerei nur als Hobby betreibt und nicht unter den ersten Suchergebnissen steht, hat hier das Nachsehen.

      Unsere Plattform dient daher auch als große Imkerdatenbank. Jeder Imker kann sich dort kostenlos eintragen und von neuen Kunden gefunden und kontaktiert werden. So können sie „Online gefunden“ werden, auch ohne „Online zu verkaufen“.

      Viele Grüße,
      Viktoria

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