Maker-Messe Make Munich: Basteln, tüfteln, DIY

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Make Munich - Logo (Grafik: Make Munich GbR)Am 20. und 21. April findet mit der Make Munich zum ersten Mal in Deutschland eine Makermesse statt. Was ist dort geboten? Was unterscheidet Maker von „gewöhnlichen“ Heimwerkern und Bastlern? Birgit Kuhn und Dr. Sofia Delgado, die Gründerinnen von muenchen-querbeet.de, haben mit Alexander Klarmann, einem der Initiatoren und Organisatoren der Make Munich, gesprochen.

M-Q: Herr Klarmann, was für ein Typ Maker sind Sie?

Alexander Klarmann: Ich bin leidenschaftlicher Improvisateur, durch die Pfadfinderei viel mit Do it Yourself, vor allem im Outdoorbereich, in Berührung gekommen. Wer einmal bei -20 Grad Außentemperatur in einem Zelt stilecht sauniert hat, weiß, was ich meine. Da gehört schon viel Experimentierfreude dazu. Ich habe momentan außerdem ein paar Projektideen und beschäftige mich mit vielen der in der Makerbewegung stattfindenden Entwicklungen, auch durch meinen Beruf. Als Texter und Konzepter in einer Designagentur, die sich viel mit Produktdesign beschäftigt, ergab sich das vor allem, was 3D-Druck angeht, ganz von selbst.

M-Q: Was ist der Unterschied zwischen einem Maker und einem Heimwerker und Bastler?

Maker beim gemeinsamen Tüfteln (Foto: Make Munich GbR)

Maker beim gemeinsamen Tüfteln
(Foto: Make Munich GbR)

Alexander Klarmann: Einen durchschnittlichen Maker unterscheidet sicher, dass er auf vielfältigere, neue Techniken zugreifen kann. Er vernetzt sich online und führt Projekte eher im Team, mit gemeinsam genutzten Geräten und Räumen, als alleine im eigenen Hobbykeller durch. Außerdem sind Maker meiner Meinung nach emanzipierter. Sie wissen, dass ihre Arbeit auch einen gesellschaftlichen, teilweise sogar politischen Effekt hat. Sie versuchen, das nach außen zu tragen und möglichst allgemein verfügbar zu machen. Deswegen gibt es auch so eine große Schnittmenge zur Open Source-Bewegung.

M-Q: Selbermachen ist ein Trend in München, man denke nur an das HEI, das Haus der Eigenarbeit in Haidhausen, die WerkBox3, die FabLab-Werkstatt und das HUIJ-Kollektiv. Dazu kommen die Urbanen Gärtner, z.B. bei o´pflanzt is. Ist das der Grund, warum Sie in München an den Start gehen?

Alexander Klarmann: München als Metropole ist natürlich eine ideale Wahl, um erstmalig eine solche Veranstaltung durchzuführen. Grundsätzlich finden sich in einer Großstadt natürlich mehr passende Orte, Partner und vor allem Aussteller.

Wir wollten unsere Premiere auch nicht gerade in einer Schulturn- oder Allzweckhalle in Hintertupfingen haben, und allein von der Infrastruktur bot sich München da sehr an.

Unsere Gründe für die Standortwahl waren aber zugegebenermaßen erst einmal pragmatischer. Initiator Nils Hitze ist Münchner und hat dort einige Kontakte, zum FabLab beispielsweise, aber auch allgemein in die Nerd- und Geekszene. Da wir alle die Organisation neben unseren eigentlichen Berufen machen, hätte sich das in einer anderen Stadt um einiges schwieriger gestaltet.

M-Q: „Hacking“, „Make“, „Casemodder”… wer sich mit dem Thema „Makermesse“ befasst, trifft auf viele Begriffe, die nicht zum Grundwortschatz gehören. Besteht hier nicht die Gefahr, dass Sie aufgrund des Insider-Jargons einen großen Teil der Zielgruppe nicht erreichen?

Die Makibox, der wohl günstigste 3D-Drucker, hier als Betaversion (Foto: Make Munich GbR)

Die Makibox, der wohl günstigste 3D-Drucker, hier als Betaversion (Foto: Make Munich GbR)

Alexander Klarmann: Die Gefahr besteht natürlich, aber eine Eindeutschung vieler solcher Begriffe klingt auf Deutsch in etwa so zeitgemäß wie der Begriff Weltnetz für Internet. Neue Dinge brauchen neue Wörter, das ist schon immer so gewesen. Grundsätzlich sind eigentlich alle dieser Begriffe durch eine kurze Google-Suche nachzuschlagen. Heutzutage darf man das durchaus voraussetzen, denke ich.
Und zu guter Letzt kann man ja auch auf die Make Munich kommen und gucken, was hinter diesen Begriffen steckt. Mit der Dachorganisation Make Germany bieten wir interessierten Unternehmen und Pressevertreten ja auch schnelle Hilfe bei der Erklärung solcher Dinge und der Vermittlung von Ansprechpartnern.

M-Q: Was gibt es auf der Make Munich zu erleben?

Alexander Klarmann: Die Make Munich bietet einen Einblick in eine unglaublich engagierte Szene mit großartigen Ideen und Projekten. Bei unserem familienfreundlichen Programm ist für alle Altersstufen etwas dabei. Man kann auf der Make Munich 3D-Drucker ausprobieren, wir bieten nach Voranmeldung sogar einen Workshop zum Selberbauen an. Einen Lasercutter haben wir auch vor Ort.
Auf unserer Makermesse darf jeder Schmuck basteln, Seife herstellen, erleben, wie Siebdruck funktioniert, und es werden Quadrocopter, mit dem Smartphone steuerbare Drohnen, gehackt.
Vor Ort haben wir außerdem viele Maker, die ihre Projekte vorstellen – von selbstentwickelten Spielen über Funkgeräte bis hin zu richtig spannenden Sachen, die so verrückt sind, dass ich sie hier nicht angemessen beschreiben kann. Ergänzend zu diesen sehr praktischen Elementen haben wir noch eine handvoll Vorträge eingebaut, die sich mit Themen in der Peripherie der Makerszene beschäftigen und das Bild etwas vervollständigen.

3D-Anwendungen - inzwischen auch auf Smartphones und Tablets möglich (Foto: Make Munich GbR)

3D-Anwendungen – inzwischen auch auf Smartphones und Tablets möglich (Foto: Make Munich GbR)

M-Q: Vor wenigen Wochen ging das Thema „Geplante Obsoleszenz“ durch die Medien, war sogar Aufmacher der BILD. Defekte elektrische Geräte und Gegenstände selbst reparieren, z.B. in Repair Cafés, ist ein Trend in der Bastler- und Tüftlerszene. Gibt es dazu Angebote auf der Make Munich?

Alexander Klarmann: Auf der Make Munich bieten wir vor allem einen Überblick der bestehenden Angebote, ob nun FabLab oder Repair Café. Da es sehr schlecht planbar ist, was zum Reparieren auf unserer Ausstellung alles nötig wäre und wie groß der konkrete Bedarf an diesen zwei Tagen wäre, möchten wir nur an die bestehenden Einrichtungen verweisen.

M-Q: Nur eine Woche vor der Make Munich findet in München die 18. CREATIVMESSE statt, nach eigenen Angaben eine „Fundgrube und Mekka für alle Hobbydesigner, Fashionfans, kreative Gestalter und solche, die es noch werden wollen. Für Liebhaber ausgefallener Ideen und Menschen, die Handgemachtes und Unikate schätzen.“ Ist die Termindichte ein unglücklicher Zufall oder wenden Sie sich an ein anderes Publikum als die Besucher der CREATIVMESSE?

Eigene Seife aus der 3D-gedruckten Form (Foto: Make Munich GbR)

Eigene Seife aus der 3D-gedruckten Form (Foto: Make Munich GbR)

Alexander Klarmann: Wegnehmen werden wir der CREATIVMESSE sicherlich keine Besucher, umgekehrt genausowenig. Wir sind etwas techniklastiger, mehr von außergewöhnlichen Projekten geprägt als eine Messe, die hauptsächlich kommerzielle Bastelwaren ausstellt. Nicht zuletzt sind wir keine Messegesellschaft, sondern engagierte Individuen, die diese Veranstaltung auf die Beine stellen.
Wir haben uns mit einigen Terminen abgestimmt, es wird im Laufe des Jahres auch noch weitere Maker-Veranstaltungen in Deutschland geben, danach haben wir uns eher orientiert.

Maker haben in den USA bereits seit 2006 eigene Messen

M-Q: Deutschland ist ein Land der Tüftler und Selbermacher. Warum findet – im Vergleich zu den USA, wo es seit 2006 Maker Faires gibt -, bei uns eine derartige Veranstaltung erst jetzt statt?

Der Protos x400, ein semiprofessioneller Drucker aus dem Hause German RepRap (Foto: Make Munich GbR)

Der Protos x400, ein semiprofessioneller Drucker aus dem Hause German RepRap (Foto: Make Munich GbR)

Alexander Klarmann: Weil es noch niemand gemacht hat. Deutschland hat das Problem, dass hier Scheitern ein Makel ist und dementsprechend geringer ist die Risikobereitschaft. Ich denke, dass mit einer Unternehmermentalität, die das Risiko nicht fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, wir hier schon weiter wären. Allerdings ist das sicher nur ein Teil der Wahrheit. In den USA ist man aufgrund der schieren Größe des Landes auch längere Anreisen gewohnt und entsprechend besser lässt sich dies dort bündeln. Hier möchte man schon aus Norddeutschland nicht mehr anreisen, weil es einem zu weit ist.

M-Q: Die 3D-Druckertechnologie ist einer der Schwerpunkte der Make Munich. Warum?

Alexander Klarmann: 3D-Druck ist ein wahnsinnig interessantes Thema, das gerade in die deutschen Haushalte kommt. Industrie und Medizin liefern beinahe täglich neue Meilensteine in der Entwicklung von 3D-Druckern und wir können beliebige individuelle Gegenstände, Ersatzteile oder eigene Kreationen, herstellen. Wir möchten das enorme Potential aufzeigen- und  den natürlichen Forscherdrang ein wenig anregen.

M-Q: Auf Ihrer Website suchen Sie Sponsoren. Wie ist die Resonanz bisher?

Alexander Klarmann: Die Resonanz ist gut, Gold Sponsor ist der deutsche 3D-Drucker-Hersteller fabbster. Mit Google und Red Bull haben wir weiterhin zwei Weltkonzerne an Bord, die das Potential erkannt haben. Selbstverständlich suchen wir immer noch nach möglichen Partnern, die uns auch finanziell unter die Arme greifen möchten.

M-Q: Herr Klarmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Ich freue mich, danke!

Über Alexander KlarmannAlexander Klarmnn (Foto: privat)

Mit 20 Jahren ist Alexander Klarmann bereits Texter und Konzepter im internationalen Designbüro graustich. Er versteht sich als strategisch denkender Digital Native und ist Blogger. Weiterhin hat er bereits für diverse Publikationen geschrieben und produziert, wenn sich die Chance ergibt,  hochwertiges Bewegtbild unter dem Label K&R. Als stilechter Internetmensch lebt Klarmann mit zwei Katzen.

Website und Kontakt: www.mammutblog.de

 

Veranstaltung: Make Munich
Datum: 20./21. April 2013, 10-18 Uhr am Samstag und 10.30-16 Uhr am Sonntag
Veranstaltungsort:
Tonhalle München
Grafinger Straße 6
81671 München
Verkehrsverbindung: 5-10 Minuten Fußweg vom Münchner Ostbahnhof
Parkplätze sind vorhanden
Eintritt:
23 € für 2 Tage
13,37 € für einen Tag

Standgebühr:
Kostenlos für Maker ohne Verkaufsabsicht

42 € für Maker mit Verkaufsabsicht
256 € für Unternehmen

Anmeldung:
Information und Kontakt:
Make Germany GbR
Adolf-Hällmayr-Weg 24
D-85221 Dachau
Tel: +49 (0)179 942 9701
E-Mail: alex@make-germany.de
http://make-munich.de

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