Leef – kompostierbare Einwegteller aus Palmblättern

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Ein Teller, der so natürlich ist, dass Kühe ihn essen können, das spricht für sich! Damit wirbt das junge Öko-Start-Up aus Berlin. Ihr Produkt: Sie fertigen Teller aus herabgefallenen Palmblättern. Sofia Delgado und Birgit Kuhn, die Gründerinnen von muenchen-querbeet.de sprachen mit dem Gründer Claudio Fritz-Vietta über die Idee zu Leef.

M-Q: Wann hast du das letzte Mal von einem Leef-Teller gegessen?

Fritz-Vietta: Ich habe gerade gestern Abend ein paar Freunde zum Abendessen eingeladen. Es gab ein Kürbiscreme-Süppchen und danach ganz klassisch Deutsch Rouladen mit Rotkohl und Klößen. Natürlich alles auf Leef-Tellern serviert. Da wir verschiedene Größen haben, konnte ich so ein stylisches Dinner servieren: Das Süppchen in den Leef-Bowls und das Hauptgericht auf schönen großen Leef-Square-Tellern.

M-Q: Woher kommen die Blätter für eure Teller und um was für Blätter handelt es sich genau?

Der Herstellungsprozess eines Leef-Tellers. Foto: Leef

Der Herstellungsprozess eines Leef-Tellers.

Fritz-Vietta: Unsere Teller werden aus natürlich zu Boden gefallenen Blättern der Areka-Palme hergestellt. Die Blätter werden eingesammelt und mit Wasser gereinigt, das danach zur Bewässerung genutzt wird. Die Blätter werden dann unter Hitze in ihre endgültige Tellerform gepresst, gestanzt, mit UV Licht desinfiziert und verpackt.

M-Q: Wo werden die Teller hergestellt?

Fritz-Vietta: Leef stellt seine Teller mit mittelständischen Unternehmen und Kleinbauern in Südindien her. Die Haupt-Produktionsstätte befindet sich in der Nähe von Erode in der Region Tamilnadu. Die insgesamt 50 Mitarbeiter sind verteilt auf das Hauptwerk in Erode und kleinere Cluster rund um Erode.

M-Q: Wie sieht es mit der Wiederverwendung von den Tellern aus? Wie oft können sie benutzt werden?

Fritz-Vietta: Leef-Teller können beliebig oft benutzt werden, es kommt natürlich darauf an, für welche Zwecke sie verwendet werden. Wir haben beispielsweise Teller, in denen wir Plätzchen und Erdnüsse hineinlegen. Diese müssen nur kurz mit einem Tuch sauber gewischt werden. Wenn wir unser Mittagessen darin essen, müssen sie kurz abgewaschen werden, sie sind allerdings nicht spülmaschinenfest.

M-Q: Sind die Teller dicht, dass heißt, können auch Suppen oder Flüssigkeiten in die Blätter hineingegossen werden, ohne das die Teller durchweichen?

Die Teller sind wasserabweisend und natürlich dicht. Foto: Leef

Die Teller sind wasserabweisend und natürlich dicht.

Fritz-Vietta: Die Teller sind dicht, da die Blätter eine natürliche wasserabweisende Schicht haben – gerade gestern habe ich meine Kürbiscreme-Suppe darin serviert. Man kann sie sogar als Ofenform verwenden. Wir haben vergangenes Wochenende auf dem Heldenmarkt, das ist eine Messe für nachhaltigen Konsum in Berlin, Pizza und Muffins in den Leef-Tellern gebacken. Über 180 Grad für 30 Minuten im Backofen – das ist für unser Produkt kein Problem!

M-Q: Eure Teller sind hauptsächlich als Einweggeschirr gedacht. Ihr werbt damit, dass die Teller innerhalb von drei Monaten zu Humus werden. Was empfiehlt ihr den Leuten von der Grillparty am See: vergraben oder in den Mülleimer damit?

Fritz-Vietta: Nach der Grillparty sollten die Teller zum Kompost oder in die Biotonne geworfen werden. Ist beides nicht zur Stelle, können sie auch verbrannt oder vergraben werden. Unter diesen Voraussetzungen können Leef-Teller tatsächlich innerhalb von drei Monaten vollständig zu Humus kompostieren.

M-Q: Über die Crowdfounding-Plattform Startnext habt ihr im vergangenen Jahr über 15.000 Euro gesammelt. Wie habt ihr das Geld investiert?

Fritz-Vietta: Ja richtig. Im Sommer 2013 haben wir gemeinsam mit der deutschen Plattform Startnext eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Innerhalb von drei Monaten standen die fehlenden 15.000 EUR bereit, die wir in den Kauf neuer Blätter und den Transport des ersten Containers mit Leef-Tellern investiert haben.

Leef-Einwegteller können vollständig kompostiert werden

M-Q: Wo gibt es eure Produkte in Deutschland zu kaufen?

Fritz-Vietta: Zur Zeit vertreibt Leef nur in Deutschland. Man kann die Teller bisher in wenigen Läden in Berlin kaufen oder aber online auf unserer Seite. Der Vertrieb über große Ketten im gesamten deutschsprachigen Raum befindet sich im Aufbau.

M-Q: Was kostet ein Teller?

Leef-Teller in schöner Geschenkverpackung. Foto: Leef

Leef-Teller in schöner Geschenkverpackung.

Fritz-Vietta: In unserem Online-Shop kostet ein Paket mit sechs Tellern in Geschenkverpackung aus Seidenpapier je nach Größe zwischen 2,95 und 3,95 Euro.

M-Q: Was sind die nächsten geplanten Schritte von Leef?

Fritz-Vietta: Wir setzen einen neuen Standard in Sachen Design, Qualität und vor allem in der Transparenz und Nachhaltigkeit. Leef ist zum Beispiel der einzige Produzent von Palmblatttellern weltweit, der in Produktion und sogar bei der Verpackung vollständig ohne Plastik arbeitet. Unser Ziel ist es, in Indien vor Ort den Menschen zu helfen, nachhaltige und langfristige Geschäftsmodelle zu entwickeln, die die Standards der gesamten Region erhöhen, ohne die Umwelt auszubeuten. Hierzu haben wir verschiedene verkaufsbegleitende Projekte in der Planung.

Vielen Dank für das Interview!

 

Foto: Leef

Gründer Claudio-Fritz-Vietta

Kurzbiografie Claudio Fritz-Vietta 

Der Gründer von Leef ist der aus Heidelberg stammende Produkt- und Grafikdesigner Claudio Fritz-Vietta. Nach seiner Ausbildung an der Universität Bozen, wo er sich als Künstler für den öffentlichen Raum etablierte, lebte und arbeitete er sechs Jahre in Hong Kong in verschiedenen Funktionen. Zunächst war er dort Designer für den Weltmarkt. Nach und nach etablierte er sich auch dort und gründete das Design Büro „BRAND IT“. Mit erfolgreichem Start des Büros gründete er etwas später die zu einer festen Größe gewordenen Kreativagentur „Project Mandrill“ (www.projectmandrill.com).

Nachdem Leef-Mitgründer Claudio Fritz-Vietta Ende 2011 die lokale Benutzung von Areka Tellern in Indien entdeckte, zog er im Sommer zurück nach Deutschland, um sich hier dem Aufbau von Leef zu widmen. Nur ein Jahr später war die Herstellung in Indien soweit weiterentwickelt, das erste Test-Teller produziert werden konnten. Im Sommer 2013 startete Leef eine Crowdfunding-Aktion. Gemeinsam mit der deutschen Plattform Startnext standen innerhalb von drei Monaten die fehlenden 15.000 EUR bereit, die für den Kauf neuer Blätter und den Transport des ersten Containers mit Leef-Tellern benötigt wurden.

Im Januar 2014 gründete Claudio gemeinsam mit Marcel Frank, der bereits im strategischen Vertrieb von Luxus-Marken gearbeitet hat, die Leef Blattwerk GmbH. Die tatsächliche Produktion konnte beginnen. Ein Jahr nach der Massenfinanzierung, bei der über 150 Menschen Leef unterstützt haben, hat das Unternehmen einen soliden Kundenstamm. Die Produktion wiederum ist in vollem Gange mit einem Output von 250.000 Tellern im Monat.

(Fotos: Leef Blattwerk GmbH)

Kontakt:

Leef Blattwerk GmbH
Kienitzerstrasse 98 2.HH, 2. OG
12049 Berlin

Telefon: 030-21808070
E-Mail: info@leef.is
Web: http://www.leef.is

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