Isarbalkon – Bienengarten zum Mitmachen

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Der Isarbalkon auf der Corneliusbrücke ist ein Pflanz- und Honigbienenprojekt für Kinder in Münchens Innenstadt. Im März wurden die Pflanztröge gebaut, seit Ende April werden auf der Isarbrücke bienenfreundliche bzw. insektenfreundliche Blumen gepflanzt und von Kindern gepflegt. Wie ist es zu dem Projekt Isarbalkon gekommen und was ist sein Ziel?
Birgit Kuhn und Dr. Sofia Delgado haben Beate Bidjanbeg, Kinder- und Jugendbeauftragte im BA 2, auf dem Isarbalkon getroffen und mit ihr über das Projekt Isarbalkon gesprochen.

M-Q: Die Corneliusbrücke war während der letzten Sommer mehrmals Standort des Kulturstrands – ebenfalls mit Kinderprogramm. Wie ist es zu der neuen Nutzung als Insektengarten bzw. Bienengarten zum Mitmachen für Kinder gekommen?

Beate Bidjanbeg: Wir vom BA 2 wollten dieses Jahr auf der Freifläche der Corneliusbrücke etwas veranstalten, was allen Bewohnern des Viertels zu Gute kommt. Der Kulturstrand, der hier bereits zu Gast war, war vor allem eine touristische Attraktion, die auch viele Menschen aus anderen Stadteilen und von auswärts anzog. Wir wollten den „Balkon“ mal anders nutzen und zwar um zu zeigen, wie wir mehr Grün in die Stadt holen können. Zudem wollten  wir für die Kinder des Viertels ein Stück Natur schaffen, das sie mitgestalten können.

Dazu kam, dass die Initiative „München summt“ dieses Jahr auf der Maximilianskirche (unsrere „Notre Dame sur le Isar“), die sich ganz in der Nähe befindet, einen Bienenstock aufgestellt hat. Wir wollen hier auf dem Isarbalkon Pflanzen kultivieren, die nützlich für Bienen und generell für Insekten sind. Hier sind uns heimische Pflanzen sehr wichtig. Geranien sind zum Beispiel sehr beliebt als Balkonpflanzen, sind  aber völlig wertlos für Bienen. Der Storchenschnabel hingegen, oft zu unrecht als Unkraut bezeichnet, produziert fast das ganze Jahr über Blüten mit Nektar – doch wer weiss das schon?!

M-Q: Der Bienengarten Isarbalkon ist als Mitmach-Garten konzipiert. Wer kann mitmachen?

Hochbeet, gestaltet von den Kindern von Spielhaus e.V. (Foto: Birgit Kuhn)

Hochbeet auf dem Isarbalkon, gestaltet von Kindern des Spielhaus e.V.

Beate Bidjanbeg: Das Projekt ist bereits bei Frühlingsbeginn angelaufen, es haben schon viele mitgemacht! Zunächst haben wir vom BA 2 vor allem Gruppen zum Mitmachen eingeladen. Dabei waren bisher zwei Klassen der Mittelschule Wittelsbacherstraße 10, zwei Klassen aus der Grundschule Klenzestraße 48, Pfadfinder vom Stamm Pegasus, drei Hort- und Kindergartengruppen, Kinder vom Spielhaus, von Konfetti e.V., Sparkling Diamonds und eine Hort- und Feriengruppe aus der Glockenbachwerkstatt. Jetzt werden gerade die Beete von den Gruppen bepflanzt. Wir suchen aber noch immer Gieß-Paten, die dann bei der Pflege der Beete mithelfen. Zudem  gibt es öffentliche Mitmach-Tage, zum Beispiel für das Anlegen der Bienenweide rund um die König Ludwigsäule.

Die Termine werden auf unserer Isarbalkon-Facebook-Seite und unserer Info-Tafel vor Ort angekündigt.

M-Q: Was genau sind die Aufgaben auf dem Isarbalkon-Garten und wer koordiniert die Arbeiten?

Komposterde für die Pflanztröge (Foto: Birgit Kuhn)

Komposterde für die Pflanztröge

Beate Bidjanbeg: Bislang ist schon einiges passiert: Unser Tischler Hartmut Minich hat den Bau der Pflanztröge betreut. Einige Teile dafür wurden in den Werkstätten der teilnehmenden Schulen und anderen Einrichtungen vorgefertigt und hier während der  Aktionstage aufgebaut.

Jetzt werden nach und nach die einzelnen Tröge mit Erde befüllt und bepflanzt.

Die Koordination der Arbeiten haben Anne-Isabelle Zils, die Glockenbachwerkstatt und ich übernommen. Anne-Isabelle Zils ist Kulturpädagogin und hat von Anfang an den Wert der dabei entstehenden die sozialen Interaktionen hervorgehoben. So entstand das Konzept des offenen Mitmachgartens. Wer mitmachen will, ist an den öffentlichen Gartentagen, die wir ankündigen, herzlich eingeladen. Jeder, der weitere Ideen hat, kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen: isarbalkon@online.de. Zum Beispiel eine solarbetriebene Wasserpumpe oder ein Kartoffelturm wurde uns schon vorgeschlagen.

M-Q: Sie kultivieren dort speziell bienen- und insektenfreundliche Pflanzen. Um welche Pflanzen handelt es sich – einjährige Pflanzen oder auch zwei- und mehrjährige Pflanzen?

Beate Bidjanbeg: Wir haben uns für ein breites Spektrum an Blumen und Pflanzen entschieden. Darunter sind viele einheimische Blumen, egal ob einjährig oder mehrjährige Stauden und auch Beeren, Kräuter und schnellwachsendes Gemüse, wie z.B Radieserl, damit die beteiligten Kinder auch was zum Naschen haben – sofern das „Isarbalkon-Publikum“ ihnen was übrig lässt! Ulrike Windsperger, die als Gartenexpertin die fachliche Leitung für das Gärtnern übernommen hat, hat ein Pflanzkonzept für die Tröge ausgearbeitet: Die Pflanzen werden nach den Blütenfarben angeordnet, so dass die Beete von weiß nach lila in den Regenbogenfarben blühen. So ergibt sich ausser dem ästethischen Genuss auch ein symbolischer Gruß an das „Regenbogen-Viertel“.

M-Q: Was wollen Sie den Kindern mit dem Projekt Isarbalkon vermitteln?

"Mantel-Klettergerüst" für Feuerbohnen (Foto: Birgit Kuhn)

„Mantel-Klettergerüst“

Beate Bidjanbeg: Wir wollen zeigen, dass der öffentliche Raum für alle da ist. Er gehört uns allen und nicht „dem Staat“. Der Isarbalkon soll ein Ort der sozialen Begegnung im öffentlichen Raum werden. Ganz wichtig ist uns, dass wir Kindern einen Ort in der Natur schaffen. Die Natur entwickelt sich, der Garten wird sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche verändern. Die Kinder sollen hier die Gelegenheit haben, zu erfahren, wie der Kreislauf der Natur funktioniert und sie sollen darin eingebunden werden. Das heißt auch Verantwortung übernehmen für die Pflanzen und erfahren wie das eigene Handeln Spuren hinterlassen kann.
Ein Beispiel dafür ist der „Mantel“, ein Metallgitter, das uns mein Mann, der Bildhauer O.M. Bidjanbek, um die Statue mit der König Ludwig-Büste aufgestellt hat. . Das Metallgitter haben die Kinder in einer Aktion der Städtischen Schule der Phantasie mit selbst gebastelten Recycling-Schmuckstücken „Juwelen“ behängt. Später, wenn die Feuerbohnen austreiben, werden sich die Pflanzen dort hochranken, und dem „Kini“ einen grünen Mantel bilden – mit blühenden und essbaren Juwelen, roten Blüten und grünen Bohnenschoten.

Kunst, Kreativität und Natur auf dem Isarbalkon

M-Q: „Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. sind unersetzlich für unser Ökosystem.“ – heißt es in Ihrem Konzept. Gibt es auf dem Isarbalkon einen Platz für Insekten, z.B. Insektenhotels, oder sogar Honigbienen?

Insektenhotel

Insektenhotel

Beate Bidjanbeg: Für die Wildbienen und andere Insekten haben wir bereits ein Insektenhotel gebastelt zusammen mit dem ÖBZ und an einem Baum aufgehängt; es werden weitere Insektenhotels dazukommen. Honigbienen können vom Gasteig und der Maximilianskirche, wo München summt Bienenkästen aufgestellt hat, hierher kommen! Zudem wird es weitere Informationsveranstaltungen zu diesen Themen geben.

M-Q: Der Isarbalkon ist für ein Jahr konzipiert. Wie soll es danach weitergehen? Kann der Garten als mobiler Bienengarten oder Insektengarten auch an anderen Orten aufgestellt werden – ähnlich wie die Wanderbaumallee?

Beate Bidjanbeg: Die Pflanztröge sind so gebaut, dass von den Einrichtungen – Kindergärten, Schulen, Horte usw. – übernommen werden können. Der Isarbalkon ist für ein Jahr konzipiert, im September werden die Tröge abgebaut. Wir hatten und haben sehr viel Unterstützung vom Kulturreferat und dem Baureferat, Abteilung Gartenbau, sowie von Green City, dem ÖBZ und München summt. Wir werden sehen, was aus der Initiative erwachsen wird. Ich bin da ganz zuversichtlich, dass es weitere Projekte in dieser Richtung geben wird.

M-Q: Vielen Dank für das Gespräch!

Wir waren gerade am Ende des Interviews angelangt, als Ulrike Windsperger, verantwortlich für das Gärtnern beim Isarbalkon, dazu kam und uns Ihre Sicht zum Isarbalkon darstellte.

Naturdekoration an einem Hochbeet (Foto: Birgit Kuhn)

Naturdekoration an einem Hochbeet

Ulrike Windsperger: Es ist eine feine Sache, dass wir so ein Gartenprojekt mit Kindern mitten in der Stadt machen können. Die Stadt hat uns sehr dabei unterstützt. Wir wollen mit dem Projekt ein anderes Bewusstsein schaffen, die Zusammenhänge in der Natur für Kinder erlebbar machen. Nur ein Beispiel: Beim Einpflanzen stoßen Kinder auf Regenwürmer. Was tut der Regenwurm in der Erde? Die Kinder sind so aufgefordert, selbst Antworten auf diese Fragen zu finden, bzw. zu lernen, wie wichtig die Tiere für den boden und die Pflanzen sind. Sie sollen keinen Ekel vor Tieren haben, sondern ernenne, dass auch eine Kellerassel eine wichtige Funktion für die Natur hat. Kinder sollen sich als Teil der Natur verstehen und erkennen.

Isarbalkon-Pflanzkonzept von Ulrike Windsperger: Hochbeete und eine Blumenwiese in der Mitte (Foto: Birgit Kuhn)

Isarbalkon-Pflanzkonzept von Ulrike Windsperger: Hochbeete und eine Blumenwiese in der Mitte

Einen Aspekt möchte ich noch gerne anfügen: Das gesamte Pflanzkonzept habe ich entworfen, auch die Idee mit den verschiedenen Trögen, die im System eines Regenbogens  bepflanzt werden. Außerdem entsteht in der Mitte noch eine Wildblumenwiese, so dass nicht nur Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Wildbienen, sondern alle Insekten Pollen und Nektar bis zum späten Herbst zur Verfügung haben.

Wir können Kindern hier auf kleinem Raum die Natur nahe bringen und Kindern Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein vermitteln. Beim gemeinsamen Gärtnern entsteht ein neues Sozialgefüge, die Menschen kommen sich auf einer anderen Ebene näher – das ist sehr wertvoll!

Erwachsene staunen immer wieder, dass man so kleine Räume für Kinder sehr gut nutzen kann. Der Isarbalkon kann, wenn sich alle an die Regeln halten, ein kleines Paradiesgärtlein für Kinder werden, das ist mein Ziel.

Gärtnern und planen gemeinsam: Beate Bidjanbeg und Ulrike Windsperger (Foto: Birgit Kuhn)

Gärtnern und planen gemeinsam auf dem Isarbalkon: Beate Bidjanbeg und Ulrike Windsperger

Besonders hervorheben möchte ich die gute Zusammenarbeit mit Beate Bidjanbeg. Sie ist eine Politikerin, die nicht redet, sondern tatkräftig anpackt und gute Ideen entscheidend voranbringt. Es freut mich sehr, dass wir hier beim Isarbalkon gemeinsam an einem Strang ziehen!

Beate Bidjanbeg

Beate BidjanbegSeit 1977 in München im Gärtnerplatzviertel. Studium an der Akademie der Bildenden Künste, Abschluss Kunsterziehung, Lehramt fürs Gymnasium, Berufserfahrung als Experte für Post Merger Integration, sowie  im Qualitätsmanagement und der Organisationsentwicklung.
Seit 2005 für die SPD im Bezirksausschuss 2, seit 2007 Kinder- und Jugendbeauftragte des Bezirksausschusses 2.

Ulrike Windsperger

Ulrike WindspergerMitbegründerin des Menzinger Umweltkreises und in der Bürgerinitiative gegen den Bau der A 99 aktiv. Von Januar 1985 bis Dezember 1986 Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, von 1987 bis 1990 Mitglied des bayerischen Landtags.

Anne-Isabelle Zils

Geboren 1968 in Brüssel. Studierte Schauspiel an der Theaterakademie in Ulm und ging an die Bühnen der Landeshauptstadt Kiel in ihr erstes Engagement. Sie gastierte beim Bremer Theater, bei den Wiener Festwochen und war als freischaffende Schauspielerin unter anderem tätig in Berlin, Wien, Köln, Aachen und Essen.

Seit 2001 lebt sie in München, arbeitet als Theaterpädagogin in Schulen und an Begegnungsstätten für Kinder und Jugendliche, als Regisseurin für Dokumentartheaterprojekte und als Sprecherin beim BR und anderen öffentlichen Sendern.

(Fotos: Birgit Kuhn)

Information und Kontakt:

  • http://www.muenchner-strassenfeste.de/isarbalkon.html
  • https://www.facebook.com/isarbalkon
  • E-Mail:isarbalkon@online.de
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