Gier nach Palmöl gefährdet Menschenaffen in Afrika

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Foto: Sofia Delgado

Menschenaffen in Gefahr.
Foto: Sofia Delgado

Der weltweite Bedarf nach Palmöl ist weiterhin ungebrochen hoch. Nach Asien, werden nun die Lebensräume der Affen in Afrika in Palmölplantagen umgewandelt. Wie kann der Konsument zum Schutz der Menschenaffen beitragen? Ein Gastbeitrag von Dr. Regine Schneider. 

Bis 2020, so schätzt die UNO, wird es keine frei lebenden Orang-Utans mehr geben. Die in Asien heimischen Menschenaffen haben sich im letzten Jahrhundert um 90 Prozent auf einige Zehntausende reduziert. Für den Rückgang der Orang-Utans wird in erster Linie die Palmölindustrie verantwortlich gemacht. Nun  geht es den afrikanischen Menschenaffen an den Kragen. Die Ölpalme wächst nur in tropischem Klima – und gedeiht damit am besten in den Gebieten, die auch von Menschenaffen besiedelt werden. Wie Forscher im Fachmagazin „Current Biology“[i] berichten, wurden nun weite west- und zentralafrikanische Gebiete für den Palmölanbau freigegeben. Diese Gebiete decken sich zu einem grossen Teil mit den Lebensräumen von Menschenaffen, wie Gorillas, Schimpansen und Bonobos.

Zertifiziertes Palmöl oft ungenügend

Weitere Palmöl-Anbaulizenzen wurden für benachbarte Gebiete vergeben. Es wird berichtet, dass in Plantagen oft Schimpansen getötet würden, die sich bei Futterknappheit gerne an Ölpalmen in der Nachbarschaft halten. „Die Ölpalmenindustrie stellt eine bedeutende und stetige Bedrohung für Menschenaffen in Afrika dar“, betonen die Forscher. Mit einem Appell an die Öffentlichkeit, fordern die Wissenschaftler die Lebensräume der Affen zu schützen.  „Öffentliches Bewusstsein ist der Schlüssel, denn Verbraucher haben durch ihr Kaufverhalten Einfluss.“ Palmöl wird in einer Vielzahl von Produkten des täglichen Lebens eingesetzt. Neben der Verwendung in Lebensmitteln, ist Palmöl z.B. auch in nahezu allen Putz- und Waschmitteln zu finden. Aufgrund des geringen Preises von Palmöl sind die Bemühungen von Industrie und Handel, Alternativen zu Palmöl anzubieten, sehr begrenzt. Die naheliegende Lösung, der Ersatz durch sogenanntes nachhaltiges oder zertifiziertes Palmöl, wird von Tierschutz- und Menschenrechtsorganisationen als ungenügend erachtet[ii]. Der aufmerksame Konsumenten kann durch konsequente Anfragen im Handel nach Produkten mit europäischen Pflanzenölen und durch einen bewussten Einkauf zur Vermeidung von Palmöl und somit Schutz der Menschenaffen beitragen.

Siehe auch das Interview mit Regine Schneider über palmölfreie Reinigungsmittel

©Foto: Sofia Delgado


[i]S. Wich, J. Garcia-Ulloa, H.S. Kühl, T. Humle, J. S.H. Lee, L.P. Koh, Will Oil Palm’s Homecoming Spell Doom for Africa’s Great Apes? Current Biology, Volume 24, Issue 14, p1659–1663, 21 July 2014
[ii]„Grünes Palmöl gibt es nicht“ (http://www.regenwald.org/news/5546/gruenes-palmoel-gibt-es-nicht)
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