Elefanten in Not hilft Tieren in Gefangenschaft

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Elefanten in Not: Die Tiere gelten in Indien als heilig; gleichzeitig werden sie seit jeher in der Forstwirtschaft, für religiöse Zwecke und im Tourismus als Arbeitstiere eingesetzt. Die Bedingungen, zu denen Elefanten ihr Leben in Gefangenschaft fristen, sind (oft) grausam. Viele Tiere sind (sehr) krank und leiden. Die Dokumentarfilmautorin Brigitte Uttar Kornetzky hat die Lebensverhältnisse der Elefanten in Gefangenschaft gefilmt und ein Hilfswerk für die Elefanten gegründet. Sofia Delgado und Birgit Kuhn, die Gründerinnen von muenchen-querbeet.de, sprachen mit ihr über ihr Engagement.

M-Q: Was sind die gravierendsten Probleme der gefangenen Elefanten im Norden Indiens?

Uttar Kornetzky: Der falsche Stolz der Eigentümer, und mangelnde Pflege und Wissen auf Grund der Geschäftspolitik, die ausschliesslich auf Profitdenken basiert. Die weiblichen Elefanten im Norden Indiens arbeiten wie Jumbojets im Tourismus, sie sind immer unterwegs. Keine Zeit zu ruhen oder zu rasten, nie Zeit selbst! zu fressen. In den kurzen Pausen zwischen den Touren wird das Futter eingestopft wie Mastgänsen vor der Weihnachtszeit. Den kranken Elefanten, die nicht fressen wollen, wird das Futter eingeprügelt, und dies in kürzester Zeit; denn sie müssen wieder auf die Piste.

Elefanten erleiden meist ein qualvolles Leben in Gefangenschaft

Elefanten erleiden meist ein qualvolles Leben in Gefangenschaft

Ein Elefant in freier Wildbahn nimmt bis zu 300 kg Futter pro Tag zu sich, das sich aus bis zu 60 verschiedenen Pflanzen, Rinden, Ästen, Wurzeln, Blättern, Blüten, Fruchtarten usw. zusammen setzt und über 24 Stunden verteilt verzehrt wird. In Gefangenschaft im Norden Indiens ist das Rohrzucker, und nochmals Rohrzucker, vielleicht ein bisschen Gras, wenn sie Glück haben. Für die Wasseraufnahme gilt dasselbe. Bis über 250 Liter Wasser trinkt ein Elefant über 24 Stunden verteilt in freier Wildbahn. Das Wasser in Jaipur beispielsweise entspricht nicht den sauberen Bedingungen, die Elefanten für Trinkwasser brauchen. „Elefantastic“ wirbt damit, dass die Touristen die Elefanten bemalen dürfen, und die Farbe der Haut nicht schade, da sie komplett abgewaschen würde beim täglichen Elefantenbad. Das ist schlicht ein ganz falscher und absurder Ansatz: Die Elefanten trinken diese Farbpigmente mit dem Badewasser, und im Grundwasser. Es ist schlimm! Die Folge: Unterernährung, Infektionskrankheiten, berstende Zehennägel auf Grund mangelnder Pflege, dicke Füsse, faustgrosse Löcher in den Füssen, Stichverletzungen von Dressurhaken usw.

M-Q: Was sind die gravierendsten Probleme der gefangenen Elefanten im Süden Indiens?

Uttar Kornetzky: Der Süden Indiens kennt ausschliesslich männliche Elefanten, die sog. Tusker, die als Wald-und Tempelelefanten arbeiten. Männliche Elefanten dürfen nicht im Tourismus arbeiten, das wäre zu gefährlich. Kommen also die männlichen Elefanten in die Musth, das ist die sexuelle Bereitschaft sich zu paaren, haben sie während dieser Zeit einen 60—80fachen Testosteronspiegel… das muss man sich erst einmal vorstellen. Um diesen hohen Testosteronspiegel zu regulieren, durchstreifen sie in freier Wildbahn hunderte von Kilometern, um die besten weiblichen Elefanten zu finden und sich zu paaren, und dabei natürlich andere, weniger starke Bullen in die Flucht zu schlagen. In Gefangenschaft müssen sie diese Zeit, das sind je nach Alter zwischen vier und sechs Monate, an allen vieren angekettet verbringen. Laufen und fressen über den ganzen Tag verteilt, Rivalen in die Flucht schlagen, ein neues Sozialsystem gründen, sich paaren, es gibt nichts dergleichen. Es gibt keine neuen Generationen. Während der Musth stehen sie schwer angekettet nebeneinander, und müssen zusätzlich zu den eigenen, physischen und psychischen Qualen andere, männliche Artgenossen neben sich erdulden, die sie normalerweise in kilometerweitem Abstand rivalisierend in die Flucht schlagen würden.

Ein weiteres Problem sind die Tempelfeste, die der Verehrung Lord Ganesh und somit der Verehrung der Elefanten dienen. Hier müssen die Elefanten einen halben Tag lang in glühender Sonne still stehen, und ohrenbetäubenden Lärm über sich ergehen lassen, ohne angemessene Wasser- oder Futterversorgung. Um die Tempel und Orte der Festivals zu erreichen, wie in Guruvayoor, Mundur, Thrissur u.a. müssen sie kilometerlange Märsche auf heissem Asphalt und Schotter antreten, um von ihrem Stall zu den Festivitäten zu gelangen.

Sie haben Verletzungen am Körper und an den Fussgelenken, die oft dick angeschwollen sind…und sie erblinden.

M-Q: Wie viele Elefanten leben in Indien derzeit in Gefangenschaft?

Uttar Kornetzky: Etwa 3.500 bis 4.000 in ganz Indien nach Angaben des Ministeriums für Forst und Umweltschutz in Delhi.

M-Q: Wild lebende Elefanten werden gefangen und domestiziert bzw. „gefügig“ gemacht. Wie genau passiert das?

Uttar Kornetzky: Ausnahmslos ALLE Elefanten in Gefangenschaft, seien es Festival-Elefanten, Elefanten, die Touristen tragen müssen, Elefanten in Zoos, Bettel-Elefanten, Waldelefanten…, Alle diese Elefanten sind extrem traumatisiert und erleiden tagtäglich schlimmste Qualen.

Sie alle haben das „Phajaan“- Ritual überlebt, es sei denn, sie sind in ganz wenigen Ausnahmen in den Zoos geboren. Und selbst dort werden sie gefoltert, um sie zu unterwerfen. Es gibt schlimmste Foltertechniken, die nur in der Art der Ausübung variieren. Angewandt in Indien, Chattisgarh, Karnataka, nennen die Einheimischen das Phajaan (Thailand) oder Oozie(Burma), was soviel bedeutet wie „Breaking the Spirit“.

Für die Babyelefanten im Alter zwischen drei und fünf Jahren ist diese Folter ein Initiationsritus in die Hölle auf Erden, die von nun an fortdauert.

Und das geht so:

Junge Babyelefanten werden eingefangen und in einen auf den Körper massgeschneiderten Kraal, eine Art Zwangsjacken-Käfig gezerrt. Der kleine Elefant kann sich nicht mehr bewegen, er schreit wie am Spiess und verlangt nach seiner Mutter, die es in den meisten Fällen schon nicht mehr gibt. Elefantenmütter haben einen intensiven Bund mit ihren Babies, und werden diese nicht so einfach den fremden Dieben übergeben. Das Ergebnis ist, dass nicht nur die Mütter sondern die ganze Herde umgebracht wird.

An Beinen und Füssen festgebunden, wird der Kleine an seinen Gliedmassen in die Länge und Breite gezogen, es wird ihm mit einem spitzen, glühenden Eisenhaken, der vorher ins Feuer gehalten wurde, auf seinen Schädel eingeschlagen bis auf den Knochen, er wird pausenlos angeschrieen und malträtiert, eingeschüchtert mit brennenden Fackeln und ohrenbetäubendem Lärm.

Der Phantasie solcher Folter sind keine Grenzen gesetzt; das dauert von zehn Tagen bis über zwei Wochen, ohne jegliche Futter oder Wasserversorgung, ohne Schlaf …bis die Kleinen, dem Tode nahe, ihren natürlichen Willen aufgegeben haben, um sich selbst von diesen Qualen zu erlösen. Die Folge davon, der kleine Elefant wird Zeit seines Lebens seinem Mahout und anderen Menschen untertan sein und gehorchen, aus panischer Angst vor weiteren Qualen. Seine Intelligenz signalisiert ihm, ich muss mich diesem Schicksal fügen, oder ich gehe drauf.

Schläge wird er allerdings von nun an sein ganzes Leben lang erhalten, täglich, stündlich.., und das wird ihn an diese Qualen immer erinnern, und dazu sind diese Schläge auch gedacht.

Der Mahout, der den Kleinen fast zu Tode gefoltert hat, wird nun der erste sein, der dem jungen Elefanten, oder was davon übrig geblieben ist—, Futter und Wasser bringt, und ihn aus dem Kraal wegführt. Diese Folter ersten Grades, und die Erlösung aus derselben, gewährleistet lebenslangen Gehorsam.

Elefanten leiden enorm in der Gefangenschaft

M-Q: In welchen Arbeitsbereichen geht es Elefanten in Gefangenschaft verhältnismäßig gut, wo besonders schlecht?

Uttar Kornetzky:  Nebst den oben erwähnten Elefanten im Norden Indiens, die im Tourismus arbeiten, sind Elefanten in den Zoos ganz schlimm dran. Sie sind angekettet auf Betonboden, haben keinen Auslauf, sie stereokopieren, d.h. sie machen, wenn überhaupt noch Bewegungen, immer die gleichen Schwenkbewegungen, wie etwa ein Steiftier im Rückfenster einer Autoablage. Sie sind oft unterernährt, und schlecht ernährt, und leiden an Infektionskrankheiten. Da sie oft allein gehalten werden, haben sie keine Interaktionsmöglichkeiten mit ihren Artgenossen, sie vereinsamen.

Die Tempelelefanten und Festivalelefanten im Süden Indiens sind männliche Elefanten. Sie stehen mehr als zwölf Stunden am Tag angekettet in der heissen Sonne (40° ohne Schatten), leiden unter zu knapper Wasser-und Futterversorgung, sie haben Verletzungen von Kettensporen an den aufgeschundenen Gelenken, und ihre Körper weisen Misshandlungen auf, die von spitzen Dressurgegenständen wie dem Ankush stammen.

Augenleiden, auf Grund der starken Temperaturinversionen, die zur Erblindung der Elefanten führen, stehen im Norden wie im Süden Indiens an der Tagesordnung.

Es gibt Ausnahmen in der Art, wie Elefanten in Gefangenschaft behandelt werden von ihren Eignern, von ihren Pflegern, aber diese Ausnahmen sind so gering… ich denke, dass grundsätzlich Gefangenschaft der Mangel an Freiheit ist. Wie kann es ihnen da gut gehen mit dem grössten aller natürlichen Defizite?

Kornetzky

Ein Leben in Fesseln.

Diese intelligenten und hoch sensiblen Tiere sind völlig ihrer natürlichen Grundlagen beraubt. Ein Elefant ist ein soziales Wesen. Sie werden es nie erleben, dass Elefanten in freier Wildbahn sich unsozial verhalten…In Gefangenschaft sind sie isoliert, können nicht gemeinsam spielen, nicht kommunizieren, nicht sich austauschen. Ihre Babies werden ihnen weggenommen, und Ihre Toten können sie nicht einmal betrauern. Sie haben aufgehört über weite Strecken zu kommunizieren, die Nachrichten, die sie austauschen würden im Vergleich zu einem Leben in freier Wildbahn, sind es nicht wert, übertragen zu werden. Es geht allen gleich schlecht. Sie sind verstummt.

Dazu sollte man in Betracht ziehen, das ein Elefant über zehn Oktaven verfügt, und mit seinen Rufen bis zu mehr als über 300 Quadratkm mit anderen Herden kommuniziert. 120 Db ist der Take off eines Jets. Die Take off- Trompete eines Elefanten liegt bei 112 Db.

Elefanten haben Gefühle wie wir Menschen, sie können weinen vor Glück und auch vor Leid, aber sie haben nichts zu lachen.

M-Q: Elefanten spielen in Indien eine große Rolle als Touristenattraktion. Bekommen die Touristen das Leid der Tiere mit?

Uttar Kornetzky: In der Regel leider nein. Sie können sich in keinster Weise die Dimension vorstellen. Das kann man erst einigermassen gut beurteilen, wenn man Elefanten in freier Wildbahn studiert hat, um ihre Apathie in Gefangenschaft wahr zu nehmen.

So hat beispielsweise Dr. Chawla von der Organisation Humane Society International eine Tafel an Amber Fort in Jaipur aufgestellt, um Touristen darauf hinzuweisen, dass, wenn immer sie Misshandlungen bemerkten, diese bitte melden sollten. So geschehen vor ca. 10 Jahren, als Dr. Chawla daraufhin Todesdrohungen der Elefantenbesitzer bekam, und sich von der Behandlung der kranken Elefanten in Jaipur völlig zurück ziehen musste. Dieses Gebot konnten wir Dank meines Filmes „Where the Elephant Sleeps“ und der Tatsache, dass Dr. Chawla als einziger Veterinärmediziner hinduistischer Religionszugehörigkeit sich bereit erklärte, unseren schwer leidenden Elefanten namens Sita einzuschläfern, wieder lockern.

M-Q: Was können Sie Indienreisenden empfehlen in Bezug auf das Thema Elefanten?

Uttar Kornetzky: Niemals das Big Business unterstützen! Niemals auf Elefanten reiten! Nehmen Sie sich ein gutes Fernglas, und beobachten Sie diese grossartigsten Lebewesen aus angemessener Entfernung in den dafür eingerichteten Schutzzonen.

M-Q: Sie haben in der Schweiz gerade das erste weltweite Benefizkonzert für Elefanten veranstaltet. Wie war die Resonanz?

Uttar Kornetzky: Nun, ich bin nicht sicher, ob es weltweit die ersten Benefiz-Konzerte waren, aber ich weiss, das es die beiden ersten in der Schweiz waren, und möglicherweise in ganz Europa.

Die Resonanz der Presse war gut, und die der Anwesenden war dem Thema ensprechend, betroffen. Denn die meisten Leute wissen darüber überhaupt nicht Bescheid. Auch wissen sie nichts von der äusserst präkären Lage der afrikanischen Elefanten. 15 Elefanten pro Minute werden wegen des Elfenbeins grausam abgeschlachtet…

Hier ein paar Zahlen und Informationen:

Von den 50.000 Elefanten, die vor 50 Jahren durch den Chad gewandert sind, sind gerade noch 2 Prozent übrig.

1979 gab es über 1,2 Millionen Elefanten in Afrika. Zehn Jahre später waren es nur noch 600.000. Das hat 1989 zum Washingtoner Artenschutzabkommen geführt.

Immerhin, ein internationales Verbot von Elfenbeinhandel, das zuerst grosse Wirkung gezeigt hatte. Der Elfenbeinpreis fiel ins Bodenlose, Wilderei ging stark zurück und Elefantenpopulationen erholten sich zusehends. 
Chinas illegaler Handel jedoch trieb die Nachfrage nach Elfenbein und damit die Wilderei enorm in die Höhe. China beansprucht für sich eine Ausnahmeregelung – und das nicht zum ersten Mal: es darf Elfenbein von afrikanischen Staaten wie Botswana, Namibia, South Afrika oder Zimbabwe kaufen…

Das hat eine neue Epidemie an Wilderei ausgelöst, die seit 2008 in einem Genozid an Elefanten und Nashörnern gipfelt.

2013 wurden geschätzte 25.000 Elefanten abgeschlachtet.

2014 waren es etwa 35.790 Elefanten. Das sind mehr als 15 Elefanten pro Minute.

Der Mensch ermordet auf brutalste Weise jährlich durchschnittlich mehr als 30.000 Elefanten allein in Afrika, um die hohe Nachfrage Asiens nach Elfenbein zu stillen. Der Internethandel ist gewaltig in die Höhe geschnellt. Gross angelegte, internationale Kartelle und Korruption bis in die höchsten Regierungsränge sind die Drahtzieher bei dieser schamlosen Schlachterei.

Die LRA und die Al-Shaabab finanzieren ihre Waffen durch Elfenbein, ebenso die schrecklichste Organisation unter den dreien, die Boko Haram. Etwa 600.000 US Dollar verdient jede dieser Terrorgruppen mit Blutelfenbein pro Monat für die Waffen des Terrors…

Der illegale Handel mit Wildtieren wird auf zwischen 5- bis 20 Billionen US Dollar pro Jahr eingeschätzt. Es ist das viert lukrativste Verbrechen neben Drogen-, Menschen- und Waffenhandel.

M-Q: Wohin fließen die Einnahmen des Konzertes?

Uttar Kornetzky: Die Einnahmen bzw. Spendengelder aller Konzerte und meiner Film-Vorträge fliessen ausnahmslos in das Schweizer Hilfswerk für Elefanten in Not. Wir arbeiten ehrenamtlich. Alle Spenden gehen zu den Elefanten.

Im Augenblick brauchen wir dringend Laboreinrichtung für das Elefanten-Hospital im Elefantendorf in Jaipur, das Dr. Chawla leitet, und das die Regierung in Rajasthan nach dem Dreh meines Filmes „Where the Elephant Sleeps“ zur Verfügung gestellt hat.

Und, wir wollen eine Schutzzone errichten, um die Elefanten umzusiedeln in ihre natürlichen Lebensbedingungen. Sie müssen raus aus den Ketten, raus aus dem Tourismus; angefangen mit den Elefanten, die am schlimmsten dran sind. Wir brauchen eine Lobby, und sehr sehr viel Geld, um die gesamte Infrastruktur ins Leben zu rufen. Die Schutzzone haben wir bereits avisiert. Es braucht einen enormen Futter und Geländebedarf für die Elefanten, medizinische Versorgung, Umschulung der Mahout, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Unterkünfte für Touristen usw.

Wir haben gerade erst begonnen…

M-Q: Wird es weitere Benefizveranstaltungen für Elefanten in Gefangenschaft geben, vielleicht auch in Deutschland?

Brigitte Uttar Kornetzky während der Dreharbeiten zu ihrem Film.

Brigitte Uttar Kornetzky während der Dreharbeiten zu ihrem Film.

Uttar Kornetzky:  Ja, natürlich. Ich hoffe, das wird Kreise ziehen, in die viele Mitwirkende einbezogen sind. Wir sind dabei, ein Netzwerk aufzubauen, jeder und jede Idee zur Verbreitung des Projektes ist willkommen. Wer ein Benefiz-Konzert veranstalten möchte zugunsten des Hilfswerkes, einen Sponsorenlauf o.ä. sollte bitte mit uns Kontakt aufnehmen unter www.elefanteninnot.com. Möglicherweise wird das erste Benefiz-Konzert in Finnland von der berühmten und virtuosen Akkordeonistin Maria Kalaniemi gespielt, die im Herbst ein Konzert in St. Gallen in der Schweiz für die Elefanten in Not spielen wird.

Wir freuen uns schon darauf…

M-Q: Viele Elefanten, die in Gefangenschaft gehalten werden, sind krank. Woran genau leiden sie und wie werden sie medizinisch behandelt?

Uttar Kornetzky: Beispielsweise wurden über 300 Tempelelefanten im Süden Indiens in den vergangenen Jahren an Tuberkulose dahin gerafft. Das ist eine enorm hohe Zahl. Es gibt, soviel mir bekannt ist, einen einzigen Tierarzt im Süden Indiens, Dr. Rajeev vom Zentrum für Elefantine Studien in Kerala, den ich persönlich kenne. Mit ihm war ich bei einer Behandlung von einem Tempelelefanten dabei, der einen kürbisgrossen Abszess am Bein hatte, nachdem der berühmteste, Dr. Pannicker, vor einigen Jahren verstarb, und Dr. Kalaivanar ausschliesslich von der Regierung in Kerala für die Waldelefanten zuständig ist, nicht autorisiert, Auskunft zu erteilen.

Die Tuberkulose ist eine Ansteckungsgefahr, die vom Menschen auf Elefanten übertragen wird, und unter den dicht zusammen gedrängten Elefanten nicht aufzuhalten ist. Sie wird ungern diagnostiziert, denn das würde die Eliminierung des Elefanten und somit einen erheblichen Verlust am Geschäft mit den Tempelelefanten bedeuten. Der Gefährlichkeitsgrad von Tuberkulose ist als extrem hoch einzuschätzen, denn auch wilde Populationen können von Tuberkulose betroffen werden. Das würde vielleicht noch keine globale, so doch territoriale Ausrottung bedeuten.

Sita, der erste Elefant in Indien, der aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen euthanasiert wurde, um ihn von den schmerzvollen Qualen zu befreien.

Sita, der erste Elefant in Indien, der aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen euthanasiert wurde, um ihn von den schmerzvollen Qualen zu befreien.

Wie bereits erwähnt, medizinische Versorgung ist im Norden wie Süden Indiens äusserst unbeliebt, sofern überhaupt vorhanden. Über die lebensbedrohte Lage von Dr. Chawla von Human Society International in Jaipur habe ich bereits berichtet. Dort leiden die meisten Elefanten unter mangelnder Pflege, Stress, zu hoher Sonneneinstrahlung, die zu Augenleiden, Blindheit und Sonnenbränden führt, körperlichen Verletzungen und unbehandelten Entzündungen, die häufig zum Tod des Elefanten führen. Auch Tuberkulose, die man nicht diagnostizieren will, gehört zum schwelenden Gefahrenkreis. Im Elefantendorf Hathigaon in Jaipur stirbt im Durchschnitt pro Monat ein Elefant an absolut absurden Bedingungen, und sofort steht ein nächster an der Rampe zum grossen Geschäft. Dieses Geschäft ist von der Regierung seit 2009 per Gesetz übrigens verboten. Wenn ein Elefant stirbt, darf kein neuer Elefant nachgekauft werden. Dennoch. Ein toter Elefant ist mehr wert als ein lebender. Die Versicherung zahlt den Eignern bis zu 20.000 Euro für einen toten Elefanten. Als wir um das Überleben Sita`s wochenlang bangten, war ihr Besitzer bereits im Süden Indiens, um neue Elefanten zu kaufen… Dass sein „Familienmitglied“ stirbt, wie sich die Eigner oft ihrer Elefanten rühmen, hat ihn nicht einmal interessiert.

Es gibt aber auch extrem viele Infektionskrankheiten, verursacht durch rostige Kettensporen und unbehandelte Wunden, die zu Knochenhautentzündungen und sogar Blutvergiftungen führen. Beispielsweise hatte sich ein Elefant vor einem Jahr einen etwa zehn Zentimeter langen Polsternagel eingetreten. Daran starb er, und an einer Überdosis „Medizin“.

Die ayurdedische Medizin des Nordens kennt 84 verschiedene Fieber für Elefanten, von denen alte Büchern aus der Maharajazeit lehren. Darunter werden zwölf Hauptstämme von Fiebern unterschieden, die Elefanten in Gefangenschaft an unterschiedlichen Stellen ihres Körpers befallen können. Elefanten in freier Wildbahn kennen keine Fieber.

Mein Film „Where the Elephant Sleeps“ zeigt diese Behandlungsmethoden, die mehr dem Stolz der Hakime (Naturheiler) dienen, denn dem Wohle der Elefanten. Diese Art der Naturmedizin ist bei Magen-Darm-Beschwerden vielleicht hilfreich, aber bei akuten Entzündungsherden und Tuberkulose absolut obsolet und unsinnig. Doch das will niemand einsehen. Auch gibt es obskure Praktiken an traditioneller Medizin, die aus zerriebenen Knochen, Affenblut und menschlichen, zerriebenen Schädeln bestehen. Sie können sich vorstellen, wie heilbringend diese Anwendungen sein werden.

M-Q: Was ist das Ziel ihres Hilfswerks?

Uttar Kornetzky: Es werden immer wieder neue Tätigkeitsfelder abgesteckt werden, je nachdem, wo Elefanten Not leiden. Aufklärung steht obenan. Als zweites, wir brauchen Laborbedarf für das Elefanten Hospital im Elefantendorf, das Dr. Chawla leitet. Wer hierzu eine Idee hat, möge mich bitte kontaktieren unter meiner Kontaktadresse.

Das grosse Projekt aber ist, wie bereits erwähnt, die Etablierung der Schutzzone für die 125 Elefanten in Jaipur, die täglich Touristen auf ihren Rücken schleppen müssen, teilweise unter schlimmsten Schmerzen. Sie brauchen sich nur die dicken und geschwollen Füsse ansehen, und vorstellen, dass hier bis zu 3000 kg Körpergewicht getragen wird plus an die 300 kg extra Lasten wie Touristen und den nötigen Sitzaufbau. Nichts daran ist „Elefantastic“, wie die Eigner der Elefanten in einer gross angelegten Werbekampagne behaupten, die sogar ihr eigenes Bollywood Elefantenbier anpreist. Es ist schlimmste Tierquälerei.

M-Q: Sie haben einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Where the Elephant Sleeps“ über das Leben der Elefanten in Gefangenschaft in Indien gedreht. Wovon handelt der Film und wo wird er zu sehen sein?

Uttar Kornetzky: „Where the Elephant Sleeps“ erzählt von der Hoffnung zweier engagierter Hakims (Naturheiler), die kranken Elefanten mit der Jahrhunderte alten, ayurvedischen Medizin heilen zu können. In Sanskrit und dämonischen Bildern hören und sehen wir diese Anwendungen an den kranken Elefanten. Jedoch keine Aussicht auf Besserung will sich abzeichnen. Bis sich schliesslich aus drei tragisch kranken Elefanten der Fall Sita`s herauslöst, und einen schicksalshaften Lauf annimmt. Wir werden Zeuge der ersten Euthanasie eines Elefanten im Staate Indien… Ein Staatsakt. Ein Film der ersten Stunde. Der Film soll im Herbst 2015 ins Kino kommen.

M-Q: Sie erzählten bereits über die grausame Jagd auf Elefanten in Afrika in Zusammenhang mit dem Elfenbeinhandel. Welche Rolle spielt die Not der Elefanten in Afrika für Ihre Arbeit?

Uttar Kornetzky: Sie lässt mir keine Ruhe. Ob ein leidender Elefant in Indien, Afrika oder Lateinamerika lebt, spielt für mich keine Rolle. Ich habe eingangs die prekäre Lage kurz erläutert. Mir steht Afrika sehr nahe, seit ich zwei Filme in Sierra Leone gedreht habe über die Kriegsverbrechen Charles Taylor`s, und blinde Kinder. Es ist gerade so, als wollten Sie mich fragen, was bin ich meinen Verwandten schuldig. Das geht mir mit Elefanten genauso. Die Tatsache, dass diese grossartigen Menschen und Tiere brutal abgeschlachtet werden, im letzteren Falle um Luxusartikel, umstrittene Aphrodisiaka, und Waffen des Terrors herzustellen, besorgt mir schlaflose Nächte und ruft nach Hilfe. Ob in diesem Falle Aufklärung durch einen Film zum Beispiel helfen würde…, vielleicht. Ich denke aber vor allem, dass schärfste Sanktionen seitens der Regierungen eingeführt werden müssen, um dieser Schlachterei Einhalt zu gebieten. Leider steht dem die Korruption bis in die höchsten Regierungsränge im Weg… Einen Film darüber würde ich sicher gerne machen, um einen positiven Einfluss auf die derbe Situation auszuüben.

M-Q: Wie kann man Ihre Arbeit unterstützen?

Uttar Kornetzky: Beispielsweise indem man wie Sie, liebe Frau Delgado, zur Verbreitung des Projektes und dem Wissen um die Situation beiträgt….Wir brauchen eine Lobby, Spenden, Laborausrüstung, mehr Ärzte und Assistenten vor Ort, grösst mögliche Verbreitung des Projektes, Aufklärung in Reisebüros, Schulen, Erwachsenenbildungsstätten. Wir brauchen Künstler/Musiker, die Benefiz-Konzerte für die Elefanten spielen, Mode entwerfen zum Beispiel, die prozentual zu den hilfsbedürftigen Elefanten geht, sicher sehr bald auch freiwillige Helfer vor Ort, ein ganzes funktionstüchtiges Netzwerk, kurz Leute, die mit Leidenschaft und Engagement und Ideen dabei sind…

Bitte besuchen sie die Website www.elefanteninnot.com für Ideen, wie Sie helfen können oder fragen Sie mich persönlich an: brigitte@kornetzky.ch

Vielen Dank für das Interview!

Ich danke Ihnen Frau Delgado.

Brigitte Uttar Kornetzky

Dokumentarfilmerin und Tierschützerin Brigitte Uttar Kornetzky

Kurzbiografie Brigitte Uttar Kornetzky

Brigitte Uttar Kornetzky hat u. a. Bildende Kunst, Kunstwissenschaften und Philosophie an der Universität/Gesamthochschule Kassel, und Gesang an der Musikhochschule Kassel studiert.

Sie lebt in der Schweiz als unabhängige Filmjournalistin und Dokumentarfilmautorin mit Fokus auf Indien und Afrika. Schweizer Nominierung „Prix des Soleure“ für Ihren Dokumentarfilm God No Say So (Sierra Leone, 2011).

Ihr letzter Dokumentarfilm „Where the Elephant Sleeps“ ist derzeit in Postproduktion.

Seit 2014 ist sie ehrenamtliche Botschafterin für Elefanten in Gefangenschaft, Fiapo, Indien.

Kontakt:

Brigitte Uttar Kornetzky

Swiss Ambassador for Captive Elephants, FIAPO, India

Elefanten in Not- Hilfswerk, President

Email: brigitte@kornetzky.ch

Web: www.elefanteninnot.com

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