Eine Welt ohne Bienen ist undenkbar!

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Die intensive Landwirtschaft birgt Risiken. Besonders die Insekten leiden unter dieser Art der Feldbewirtschaftung. Wolfgang Voigt, Bienenexperte und Gastautor, sieht eine große Gefahr für die Existenz unserer Insekten, insbesondere Bienen von ihr ausgehend.

Die amerikanische Umweltaktivistin Rachel Carson hat im Jahre 1962 in ihrem Buch „Der stumme Frühling“ vor der Vergiftung der Umwelt gewarnt und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln als Praktiken gewinnsüchtiger Unternehmen entlarvt. Diese Aussage hat bis zum heutigen Tage nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Die Gefährdungen der Tier- und Pflanzenwelt sind trotz ihrer Warnungen, die weltweit verbreitet wurden, in den inzwischen vergangenen fünf Jahrzehnten nicht zurückgegangen. Im Gegenteil: Dadurch dass die Agrarwissenschaft kontinuierlich genetisch verändertes Saatgut entwickelte, das weiterhin auf Agrarflächen ausgebracht wird, haben diese stetig zugenommen. In diesem überschaubaren Zeitraum haben Menschen Ökosysteme schneller und umfangreicher verändert als jemals zuvor in vergleichbaren Epochen der Menschheitsgeschichte. In erster Linie, um die schnell wachsende Nachfrage nach Nahrung, Wasser und Rohstoffen für die stoffliche und energetische Nutzung zu befriedigen. In hunderten Pressebeiträgen und Büchern verschiedenster Autoren wurden die Leser nachdrücklich auf die genannten Gefährdungen hingewiesen und die möglichen Auswirkungen sichtbar gemacht. Die Auflistung ihrer Namen erfolgte auf 10 Seiten mit der Benennung der Seiten, auf denen sie zitiert wurden.

Die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Verantwortliche Politiker in Deutschland hat nicht sonderlich berührt, wie besonders drastisch die oben stehende Tatsache in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erkennbar wird. In dieser Strategie gibt es die Begriffe ‚Biene’, ‚Imker’ und ‚Honig’ nicht. Offenbar ist es beim Ringen um den Erhalt biologischer Vielfalt nicht mehr erforderlich, sich um den Erhalt der Spezies ‚Biene’ zu bemühen. Sind diese bereits abgeschrieben und benötigen keine Unterstützung mehr? Aus den Vorbemerkungen der Strategie geht hervor, dass es um die Wahrung der Lebensgrundlagen künftiger Generationen geht. Es wird die Frage beantwortet, welche Auswirkungen deutsche Aktivitäten auf die weltweite biologische Vielfalt haben. Und die Antwort lautet: „Deutschland beachtet in seinem Handeln umfassend die Auswirkungen seiner Aktivitäten auch außerhalb seiner Grenzen und übernimmt verstärkt Verantwortung für die weltweite Erhaltung biologischer Vielfalt. Unsere Ziele sind: Im Jahr 2020 stammen 25 % der importierten Naturstoffe und -produkte (z. B. Agrar-, Forst-, Fischereiprodukte, Heil-, Aroma- und Liebhaberpflanzen, Liebhabertiere) aus natur- und sozialverträglicher Aufzucht, Haltung bzw. Nutzung. Welchen Grund hat die Bundesregierung, Honig aus einheimischer Produktion, der zu 20 % den Bedarf in Deutschland deckt, hier nicht zu berücksichtigen? 80 % des Bedarfs werden importiert. Die Außenhandelsstatistik belegt beispielsweise, dass im Jahr 2007 Honig aus 49 Ländern importiert wurde. Im gleichen Jahr exportierte Deutschland Honig in 69 Länder. Zusammengefasst wurden im Jahr 2009 insgesamt 92.946,2 t Honig importiert, 2008 waren es 91.920,0 t. Im Jahr 2009 wurden 29.030,1 t exportiert, 2008 waren es 27.597,2 t. Merken denn die verantwortlichen Politiker nicht, dass sich ihre Verhaltensweise in dieser Frage hemmend auf den Erhalt biologischer Vielfalt auswirkt?

Der Rückgang von Bienen

Am 30.06.2006 schrieb die WELT.de/dpa: „Dem Menschen geht die Nahrung aus. In Brasilien bestäuben Tagelöhner Nutzpflanzen von Hand, weil es nicht genügend Insekten gibt. Schuld ist die intensive Landwirtschaft… Nach Auskunft der Forscher ist der einzige Ausweg aus dieser Misere die Rückkehr zu naturnaher Gestaltung von Kultur- und Agrarlandschaften.“ Der Leiter der Abteilung Agrarökologie an der Universität Göttingen, Professor Teja Tscharnke, sagte: „Nur auf diese Weise lassen sich die für Menschen wichtigen Dienstleistungen des Ökosystems, zu der auch die biologische Schädlingskontrolle gehört, nachhaltig sichern“. Zur Nutzung von Genmais gab es am 12.05.2007 einen Nachtrag: Auch wenn es offiziell noch nicht bewiesen ist, dass genveränderte Pflanzen – Mais, aber auch Raps – für das Bienensterben verantwortlich sein könnten, ungefährlich ist der Genmais offenbar nicht. Die Meldungen überstürzen sich dieser Tage: Greenpeace stellte bei 600 Proben aus Deutschland und Spanien fest, dass die Giftmenge in BT-Mais bis zu einem Hundertfachen (!) variieren kann.

Zusammenhang zwischen Gentechnik und Bienenkrankheiten

Deutsche Imker klagen über ein geheimnisvolles Bienensterben – in den USA wächst sich ein ähnliches Phänomen schon zur Katastrophe aus … (Stand 2007).

Viele Krankheiten seien dafür verantwortlich, dass die Bienen die Orientierung verlieren und nicht mehr in den heimischen Stock zurückfinden. Man hört die Imker an, … und ignoriert weitgehend ihre Klagen … In den USA ist ein dramatischer Bienenschwund zu beobachten … Mehr als 70 % der Bestände an der Ostküste und 60 % an der Westküste sind verlorengegangen. Vermutet wird u. a. eine Colony Collapse Disorder (CCD).

Walter Haefeker, Vizepräsident des Europäischen Berufsimkerverbandes, spekuliert, dass in Amerika mittlerweile 40 % der Maisanbauflächen mit genmanipulierten, insektenresistenten Pflanzen bestückt ist. Haefeker hat einem Forscher der CCD Working Group jetzt Informationen über einen Versuch mit Bienen zukommen lassen, der ihm schon lange als Indiz für einen möglichen Zusammenhang zwischen Gentechnik und Bienenkrankheiten gilt.

Literatur

  • Rachel Carson, Der stumme Frühling, C.H. Beck, 4. Auflage 2012
  • Wolfgang Voigt, Kommt der graue Frühling? Dem Bienensterben entgegen wirken – Jeder kann etwas tun! ISBN 978-3-8280-3136-4, Frieling-Verlag Berlin, 1. Auflage 2013
  • Wolfgang Voigt, Blütenpflanzen und Honigbienen – Indikatoren des Klimawandels

ISBN 978-3-8280-2936-1, Frieling-Verlag Berlin, 1. Auflage 2011

  • Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, Kabinettsbeschluss vom 7. November 2007, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherhei

(Text: Wolfgang Voigt)

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1 Kommentar

  1. Man kann ja nur davon ausgehen, dass die Natur sich selbst zu helfen weiß. Gegen den Menschen scheint sie auf den ersten Blick jedoch machtlos zu sein. Aber eine derartige Intelligenz, die uns zu dem komplexen Wesen gemacht hat, das wir sind, hat sicher noch einen Plan in der Hinterhand. Hoffentlich ist er nicht all zu radikal…

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