Waldkindergarten Trudering – Fotogalerie

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Ein paar Worte vorab: Mit Julia Lohner, Presseverantwortliche des Waldkindergarten Trudering,  hatte ich vereinbart, dass ich für das Interview zum Waldkindergarten Trudering ein paar Fotos von dem Geschehen im Waldkindergarten mache. Von Anfang an war meine Neugier groß: Wie verbringen die Kinder den Tag im Wald? Was und womit spielen sie? Wo halten sie sich die meiste Zeit auf – rund um den Bauwagen oder tiefer im Wald?

Stuhlkreis, angeleitete Spiele, basteln, vorlesen – gibt es das alles auch im Waldkindergarten? Was sind die Unterschiede zu einem konventionellen Kindergarten?

Bei meinem Fototermin hat es sich ergeben, dass ich einen ganzen Vormittag mit den Kindern verbringen durfte. Ich war von der Begrüßung und dem Freispiel am Anfang, während des Morgenkreises, beim Waldausflug mit Brotzeit, wo im Anschluss eine Waldhütte gebaut wurde, der Wanderung zurück zum Bauwagen bis zum Ende des Mittagessens dabei und habe den Tagesablauf in meinen Fotos dokumentiert.

Von Anfang an ist mir der entspannte, aber doch sehr wachsame Umgang mit den Kindern aufgefallen: Auch wenn die Kinder sehr viele Freiheiten haben und beim Morgenausflug gerne in kleinen Gruppen unterwegs waren, hatten die Pädagogen immer den Überblick. Auch bei Gefahren – seitlich abstehende Äste – machten sie die Kinder rechtzeitig drauf aufmerksam.

Rücksicht aufeinander und Gemeinschaftssinn haben einen hohen Stellenwert: Beim Essen wird sehr darauf geachtet, dass alle gemeinsam anfangen, die Kinder servieren einander das Essen.

Zu den Kernaufgaben des Kindergartens gehören Betreuung und Bildung. Im Waldkindergarten Trudering wird auf Bildung, speziell Naturbildung, sehr viel Wert gelegt. Beim Morgenkreis ging es um das Eichhörnchen, sein Aussehen und sein Verhalten; später, beim Waldausflug, untersuchte man Spuren im Wald.

Womit spielen die Kinder? Mit Naturmaterialien! Nüsse, Blätter, Stöckchen, Moos, Tannennadeln, Matsch… es findet sich immer wieder etwas. Auch Rollenspiele sind sehr beliebt: Eine Baumscheibe wird zur Geburtstagstorte für die Kinderparty, eine große Wurzel ein riesiges Gefährt. Ein langer, gebogener Stock ist erst ein Regenbogen, dann eine Schranke!

Wie gehen die Kinder miteinander um? Sind sie „friedlicher“ als Kindergartenkinder, die einen konventionellen Kindergarten besuchen? Nach einem Tag kann man diese Frage – wenn überhaupt – sicher nicht beantworten. Ich habe beobachtet, dass bei der Wanderung zum Brotzeitplatz im Wald zwischen den Kindern zum Streit kam, den die Kinder mit Hilfe der Erzieherin lösen konnten.

Dabei wird klar: Auch im Waldkindergarten sind das Fingerspitzengefühl und Engagement der Erzieher entscheidend. Und nicht zuletzt die Personalkapazität: Im Waldkindergarten Trudering werden 15 Kinder von zwei Waldpädagogen und einem jungen Mann, der sein freiwilliges soziales Jahr dort absolviert, betreut. Klar, dass die Waldkindergarten-Betreuer sehr viel intensiver auf jedes Kind eingehen können als Pädagogen in einem Kindergarten mit einer weiter größeren Gruppe.

Der Waldkindergarten Trudering nutzt den Waldkindergarten-Bauwagen und das Gelände im Wald

Der Bauwagen des Waldkindergartens befindet sich auf einer Lichtung im Truderinger Wald in der Nähe der Straße „Am Hochacker“. Wenn die Kinder morgens ankommen, werden Klapptische aufgebaut, und die Kinder können sofort mit dem Freispiel oder Bastelarbeiten wie z.B. Ton kneten, anfangen.Die Lichtung bietet genügend Platz für eine Freifläche mit einem runden Sitzplatz für den Morgenkreis.

Wenn es regnet, kann vom Bauwagen eine Markise ausgefahren werden – darunter haben die Kinder und Betreuer dann einen Unterschlupf. Strom für die elektrische Beleuchtung erhält der Bauwagen durch ein Solarpaneel, das hoch über dem Bauwagen an einer Stange angebracht ist.

Der Bauwagen selbst ist Materiallager und Rückzugsort für „richtiges“ Schlechtwetter, also sehr kalte und nasse Tage. Hier im Bauwagen, ist alles auf sehr engem Raum untergebracht: Kinderbibliothek, Fächer für die Kinder, Bastelmaterial, Handtücher, Wasserbehälter zum Händewaschen und ein paar Thermoskannen. Dazu kommen zwei Sitzbänke. Zum Ausruhen ist kaum Platz, und wenn, dann nur für einzelne Kinder – doch das kam an meinem Besuchstag nicht vor.

Trinkwasser ist im Waldkindergarten knapp und wird jeden Tag frisch gebracht. Doch die Kinder lieben Wasser – vor allem zum Spielen. Deshalb gibt es hinter dem Bauwagen eine bunt bemalte Regentonne mit „Spielwasser“, also Wasser, das die Matschkobolde zum Spielen benutzen können.

Als Spielgerät gibt es eine Tellerschaukel, die jeden Tag neu an einem Ast montiert wird. Ferner haben die Kinder ein selbst gebautes und bemaltes Klang-Instrument. Als Waldgarderobe dient eine Schnur, die von Baum zu Baum gespannt ist – darüber hängen die Kinder ihre Jacken. Zusätzlich gibt es Haken am Bauwagen, wo jedes Kind seinen Rucksack aufhängen kann.

Ebenfalls hinter dem Bauwagen befindet sich, durch eine undurchsichtige grüne Plane abgeschirmt, die Wald-Toilette mit Klobrille und Gelegenheit zum Händewaschen – eine einfache, aber sehr zweckmäßige Lösung. Die Hygiene kommt nicht zu kurz: Vor dem Essen werden immer die Hände gewaschen; auch beim Waldausflug ist ein Beutel mit Wasser und ein Handtuch dabei.

Wann gibt es Essen? Um die Gruppe zusammenzutrommeln, wird nicht etwa gerufen. Nein, man läutet mit der Kuhglocke! Wie das Wetter am nächsten Tag wird, können Waldkindergarten-Kinder schon beim Abholen erfahren: Einfach einen Blick auf das selbst gebastelte Zapfen-Barometer werfen, dann bleibt noch viel Zeit, um für den nächsten Waldkindergartentag Pläne zu schmieden.

(Text und Fotos: Birgit Kuhn)

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