Chidos Mushrooms: Pilze auf Kaffeesatz

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chido_mushroomsViele Verbraucher wissen bereits die Qualität von Kaffeesatz als Blumendünger zu schätzen. Doch dass sich Kaffeesatz auch für die Pilzzüchtung hervorragend eignet, gehört sicherlich noch nicht zum Allgemeinwissen. Dr. Sofia Delgado, die Mitgründerin von muenchen-querbeet.de, sprach mit Anne-Kathrin Kuhlemann über die Idee, die hinter Chidos Mushrooms steht, die Züchtung von Pilzen auf Kaffee-Abfall. 

M-Q: Wann haben Sie das letzte Mal Ihren Kaffeesatz in den Müll geworfen?

Kuhlemann: Ich trinke keinen Kaffee ;).

M-Q: Dass man Speisepilze auf speziellem Substrat züchtet, ist nicht neu. Was hat Sie dazu inspiriert, Kaffeesatz als Pilz-Substrat zu verwenden?

Kuhlemann: Wir arbeiten im Netzwerk der Blue Economy, die nach dem Vorbild Austernseitlingagiert, dass jeder Abfall eine Ressource bzw. ein Rohstoff ist. Es gibt in diesem Netzwerk schon seit langem Projekte, um die Abfälle auf Kaffeeplantagen zur Pilzzucht zu nutzen – und damit für die jeweilige Region Einkommen und Ernährungssicherheit zu schaffen. Kaffee als zweitgrößtes Handelsgut der Welt hinterlässt  aber eben auch bei ‚uns‘ tonnenweise Abfälle (genau genommen ca. 8 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit), den wir einer Nutzung zuführen wollen.

M-Q: Wie kommen Sie an den vermeintlichen „Abfall“?

Kuhlemann: Wir lassen ihn per e-Fahrrad bei diversen großen Cafés abholen – dreimal wöchentlich, damit er so frisch wie möglich ist.

M-Q: Bei Pilzkulturen auf herkömmlichem Pilzsubstrat kann man mehrere Ernten erzielen. Wie viele Ernten ergeben sich auf dem Chidos Mushrooms-Kaffeesatz-Substrat?

Kuhlemann: Der Pilz verhält sich bei uns genauso wie in der konventionellen Zucht, wir ernten für gewöhnlich dreimal.

M-Q: Was passiert mit dem Kaffeesatz nach der (letzten) Pilzernte?

Kuhlemann: Wenn wir die Abfälle sofort als Kompost verwenden, wachsen daraus KellerRot11 kleinweiter Pilze, das sieht zwischen Geranien etwas seltsam aus. Wir pilotieren daher gerade, in den Resten Würmer zu züchten – dann bleibt wirklich hochwertiger Dünger übrig und viele Regenwürmer für die Angler oder Fischzuchtbetriebe.

M-Q: Ein Päckchen Pilze zum Selbstzüchten von Chidos Mushrooms kostet zwischen 9,90 Euro und 12,90 Euro zuzüglich Versand. Wie umfangreich ist die Ernte, die Ihre Kunden zu erwarten haben?

Kuhlemann: Bis zu 500g Pilze können von jedem Home Growing Kit geerntet werden – allerdings nur bei guter Pflege (viel sprühen und nicht ins direkte Sonnenlicht stellen)!

M-Q: Derzeit umfasst das Sortiment von Chidos Mushrooms drei Pilzsorten, den Limonenseitling, den weißen Austernseitling und den Rosaseitling. Werden Sie den Champignon, der ja beliebteste Speisepilz in Deutschland ist, in Ihr Angebot mit aufnehmen?

Kuhlemann: Das ist für uns aus mehreren Gründen nicht interessant: Champignons HGK_Rosawachsen auf Mist, also tierischen Exkrementen, nicht auf Holz (Kaffee ist ein Hartholz). Sie sind insofern „Zweitverwerter“ – und daher auch ernährungsphysiologisch weniger hochwertig als unsere Seitlinge. Außerdem haben wir eine große vegane Kundschaft, für die Champignons nicht in Frage kommt – nicht zuletzt, weil beim Anbau von Champignons oftmals Unmengen von Chemie zum Einsatz kommen und die Zucht nahezu vollständig automatisiert ist.

M-Q: Franchise, Händler, Distributor: Sie möchten expandieren und nutzen unterschiedliche Vertriebswege für Ihr Produkt. Kann sich jeder bewerben oder stellen Sie gewisse Anforderungen an Ihre Partner?

Kuhlemann: Potenzielle Franchisenehmer lernen wir in unseren Trainings sehr gut kennen und es ist durchaus schon vorgekommen, dass wir jemandem davon abgeraten haben, die nächsten Schritte zu gehen – eine Selbständigkeit mit Arbeitnehmern ist nicht für jedermann geeignet. Bei Groß- und Einzelhandel ist uns die persönliche Bindung wichtig, das ergibt sich aber meist von selbst – von unseren Produkten sind eigentlich alle immer begeistert. Eine konkrete Anforderung gibt es: sowohl wir als auch unsere Partner vertreiben die Frischpilze nur regional, um die hohe Qualität, für die wir stehen, dauerhaft garantieren zu können.

M-Q: Sie haben Ihren Hauptsitz in Berlin und beliefern dort auch Restaurants mit den Pilzen. Gibt es schon in anderen Städten Nachahmer?

Kuhlemann: Es gibt mehrere Franchisenehmer, die in den Startlöchern stehen. Nachahmer sind uns ansonsten keine bekannt, es wäre im Zweifel auch ein relativ teurer Weg, all unsere Fehler und Lernprozesse zu wiederholen.

M-Q: Chido hat den Startup-Sonderpreis des Sustainovation Awards für nachhaltiges PilzeRosa4 kleinWirtschaften gewonnen, den die WirtschaftsWoche zusammen mit der Unternehmensberatung Altran vergibt. Hat Ihr Geschäft davon profitiert?

Kuhlemann: Wir haben sicherlich von der medialen Aufmerksamkeit profitiert, auch wenn das in Zahlen schwer konkret messbar ist.

M-Q: Werden Sie vorerst bei der Pilzzüchtung bleiben oder planen Sie schon weitere Produkte?

Kuhlemann: Wir bleiben bei Pilzen. Innerhalb der Blue Economy insgesamt gibt es jedoch noch einige andere Produkte, die in den nächsten Monaten auf den deutschen Markt kommen.

Vielen Dank für das Interview!

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Kurzbiografie  Anne-Kathrin KuhlemannAK2

Anne-Kathrin Kuhlemann (1979) ist Gesellschafterin und Prokuristin von Chido’s mushrooms sowie geschäftsführende Gesellschafterin der Blue Economy Solutions, die Kunden bei der Umsetzung von nachhaltigen Innovationen begleitet. Als Gründerin der NExT Social Stock Exchange entwickelt sie eine Plattform für Wachstumskapital für nachhaltig wirtschaftende Unternehmen.

Die Betriebswirtin und Doktorandin ist zudem Lehrbeauftragte der Humboldt-Viadrina School of Governance und im Beirat des Fachbereichs Wirtschaft der FH Münster sowie Mitglied im Ausschuss Wirtschaftspolitik der IHK Berlin.

Nach ihrem Studium des European Business Programme hat Anne-Kathrin Kuhlemann Erfahrungen in der Privatwirtschaft sowie im Sozialen Sektor gesammelt, zum Beispiel als Unternehmensberaterin bei Bain & Company, Mitgründerin der Portal Consultants, bei der Weltbank und der Deutschen Botschaft in Brasilien. 2010 wählte die Zeitschrift Capital sie zu den „Top 40 unter 40“ der deutschen Gesellschaft.

Kontakt:

Chido UG (haftungsbeschränkt)
Bülowstraße 56
10783 Berlin

Telefon +49 (0)30 60988105-0
Fax +49 (0)30 60988105-9
Email: oppidum@chidos.org
Web: http://chidos.org/

Fotos: Chido UG und Gordon Welters (Anne-Kathrin Kuhlemann)

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