TopFarmers: Aquaponik in der Urbanen Landwirtschaft

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Mit TopFarmers hat die Blue Economy Solutions einen neuen Baustein des Projekts „Urbane Landwirtschaft“ entwickelt. Das Besondere an TopFarmers ist Aquaponik. Worum geht es dabei und ist das Konzept auf andere Städte übertragbar? Anne-Kathrin Kuhlemann, zuständig für Bildung, und Tim Olk, der technische Leiter von TopFarmers, waren Anfang November anlässlich des Pitch Day des Generation D Wettbewerbs in München – die Gelegenheit, sich mit den beiden zu treffen und sich mit ihnen über TopFarmers zu unterhalten!

M-Q: Was haben Sie zuletzt bei TopFarmers geerntet?

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Chili-Anbau bei TopFarmers (Foto: TopFarmers)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Wir haben Chilis geerntet und Fische gefangen! Das Filet ist sehr schmackhaft und wird von Fischläden in ganz Berlin stark nachgefragt.

M-Q: TopFarmers nennt sich Urban Farming 2.0. Was meinen Sie mit 2.0?

Tim Olk: Mit dem Kürzel 2.0 möchten wir zeigen, dass wir urbane Landwirtschaft auf eine neue Art betreiben. TopFarmers produziert in der Stadt, also ganz nah am Konsumenten. Wir arbeiten sehr effizient und nachhaltig, verwenden weder Pestizide noch künstliche Düngemittel.

M-Q: Sie möchten mit TopFarmers Gewächshäuser auf Dächer bauen und dort mit Aquaponik Gemüse, Südfrüchte und Fische erzeugen. Warum haben Sie sich gerade für diese Art der Urbanen Landwirtschaft entschieden?

Gemüseanbau bei TopFarmers (Foto: TopFarmers)

Gemüseanbau bei TopFarmers (Foto: TopFarmers)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Die Landwirtschaft ist laut UN der wichtigste Sektor, um Emissionen einzusparen. Uns geht es konkret darum, die weltweit steigende Nachfrage nach tierischen Proteinen auf eine wirklich nachhaltige Art und Weise zu befriedigen – dafür ist unser Wels ideal geeignet. Zudem können wir im Gewächshaus zahlreiche Früchte und Gemüse anbauen, die sonst nur als Flugware zu uns nach Deutschland gelangen – und das ganzjährig. Beispielsweise sprießen bei uns Ceylon-Spinat, Chilis, Papaya, Maracuja und jede Menge verschiedener Kräuter, um nur einige Beispiele zu nennen. Die heimische Landwirtschaft ist dann die ideale Ergänzung, um langfristig so stadtnah wie möglich den Großteil unserer Ernährung zu produzieren.

Tim Olk: Dazu kommt, dass wir bei TopFarmes nur in Gewächshäusern, die ganzjährig betrieben werden, arbeiten. Auf diese Weise ist TopFarmers doppelt ertragreich: Neben Obst und Gemüse produzieren wir hochwertigen Fisch und das alles auf sehr kleinem Raum und in direkter Nähe zum Verbraucher. Lagern, Kühlen und der lange Transport entfallen weitgehend.

M-Q: In Berlin gibt es viele Brachflächen. Genug Platz also, um Krautgärten nach dem Münchener Muster oder Urban Gardening-Projekte nach dem Beispiel des Prinzessinnengartens zu eröffnen. Warum bevorzugen Sie das aufwändige Farming in Gewächshäusern auf Dächern?

Hochbeete im Gemeinschaftsgarten o´pflanzt is in München (Foto: Birgit Kuhn)

Hochbeete im Gemeinschaftsgarten o´pflanzt is in München
(Foto: Birgit Kuhn)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Wir finden es toll, wenn sich Leute in Gemeinschaftsgärten wie z.B. dem Prinzessinnengarten oder bei o´pflanzt is zum Gärtnern treffen. Bei dieser Art des Gärtnerns steht jedoch nicht so sehr der Ertrag im Mittelpunkt, sondern das Miteinander, der soziale Austausch.

Wir wollen mit TopFarmers ein professioneller Lebensmittelhersteller sein, der wirklich signifikante Mengen für die städtischen Verbraucher produzieren kann. Mit den Gemeinschaftsgärten verbindet uns das Ziel, dass sich immer mehr Menschen wieder damit auseinander setzen sollen, woher ihre Nahrungsmittel eigentlich stammen – und wie sie hergestellt wurden. Aber nicht jeder hat die Zeit und die Möglichkeiten, selber anzubauen.

M-Q: Sie möchten mit TopFarmers Südfrüchte produzieren. Warum setzen Sie nicht auf heimische Obst- und Gemüsesorten?

Anne-Kathrin Kuhlemann: Wir wollen mit TopFarmers die heimische Landwirtschaft nicht ersetzen, wir wollen sie ergänzen. Obstbäume auf dem Dach würde gar keinen Sinn machen – und auch Getreide oder Kartoffeln sind auf dem Feld besser aufgehoben. Zudem ist es heimischen Pflanzen im Gewächshaus zu warm – da gedeihen Pflanzen aus wärmeren Regionen deutlich besser.

M-Q: Es gibt bereits eine TopFarmers-Anlage in Berlin. Wie sind die bisherigen Erfahrungen?

Bananenstaude im TopFarmers-Gewächshaus (Foto: TopFarmers)

Bananenstaude im TopFarmers-Gewächshaus
(Foto: TopFarmers)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Unsere Erfahrungen sind gut! Wir haben gezeigt, dass wir die Technologie skalieren können und haben sehr gute Erträge bei unseren Fischen und Pflanzen – wir produzieren ja bereits eine Tonne Fisch im Jahr. Das Labor ermöglicht es uns, die Technologie ständig weiter zu entwickeln und neue Innovationen zu erproben. Außerdem können wir in Kooperation mit der Berufsschule, in der unser Labor steht, Jugendliche direkt an unserer Anlage ausbilden – die stehen uns später als ideale Mitarbeiter zur Verfügung!

Tim Olk: Die Berliner sind unserer Idee gegenüber sehr aufgeschlossen. Wer sich für unsere Produktion interessiert, kann eine Führung mitmachen und sich dabei über die Haltung der Tiere und die Qualität der Ware informieren. Die meisten Fischhändler, die bei uns kaufen, kommen vorher bei uns vorbei und bestellen anschließend immer wieder. Damit wird klar, dass die Nähe zum Verbraucher entscheidend ist – und die persönliche Beziehung, das Vertrauen in Qualität und Nachhaltigkeit des Produzenten. Jetzt wollen wir auf mindestens 2.000 m² eine kommerzielle Anlage errichten, die viele Menschen versorgen kann.

M-Q: Welche Fischarten kultivieren Sie in dem Aquaponics-System und wie viele Fische möchten Sie damit erzeugen?

Afrikanischer Raubwels aus der TopFarmers-Zucht (Foto: TopFarmers)

Afrikanischer Raubwels aus der TopFarmers-Zucht (Foto: TopFarmers)

Tim Olk: Wir arbeiten mit dem Afrikanischen Raubwels (Clarias gariepinus). Der Wels ist von Natur aus an die engen Verhältnisse in der Aquakultur angepasst. Wir erhalten die Fische von einem Züchter in Norddeutschland. Wenn sie zu uns kommen, sind sie 30 g leicht; nach fünf bis sechs Monaten wiegen sie durchschnittlich 1,2 kg und sind schlachtreif.

Um 1000 g Fisch zu erzeugen, ist 900 g Futter nötig. Dabei ist die Qualität des Filets wirklich sehr gut; der Afrikanische Raubwels wird als Speisefisch sehr geschätzt. Große Fische werden bei uns als Filet verkauft, kleinere Fische werden zu Räucherfisch verarbeitet.

TopFarmers betreibt Gemüseanbau und Fischzucht in einem geschlossenen Kreislauf

M-Q: Aquaponics ist ein geschlossener Kreislauf – Pflanzen und Fische gedeihen in einem Becken. Wie sieht es mit der Verbreitung von Pilzen und Bakterien aus?

Tim Olk: Die Tiere sind sehr gesund, bisher hatten wir noch keine Krankheitsfälle. Einer der Gründe dafür ist, dass der Afrikanische Raubwels nicht auf Hochleistung gezüchtet ist; der Genpool, aus dem die Züchter schöpfen, ist groß. Man sieht es den Tieren sogar an: Jeder Fisch ist ein Individuum – manche sind heller, manche dunkler.

M-Q: Ist es möglich, dort Pflanzenschutz anzuwenden und den Tieren Medikamenten zu geben?

Salatanbau mit Aquaponik bei TopFarmers<br>(Foto: TopFarmers)

Salatanbau mit Aquaponik bei TopFarmers
(Foto: TopFarmers)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Ganz klar Nein, das würde unser System negativ belasten. Unsere Fische brauchen keine Medikamente, sie sind gesund. Was die Pflanzen angeht, arbeiten wir mit dem Mischkultur-Prinzip. Das hat zwei Vorteile: Die Pflanzen stärken sich gegenseitig, der Schädlingsbefall ist dadurch insgesamt recht gering. Natürlich haben wir trotzdem ab und an Schädlinge; Gegen sie gehen wir mit Nützlingen wie z.B. Florfliegenlarven und Marienkäfern vor.

M-Q: TopFarmers verbindet mehrere Bausteine – Lebensmittelproduktion, Forschung und Entwicklung, Bildung, dazu Beratung. Ist das nicht ein bisschen viel für ein Start-up?

Workshop bei TopFarmers mit Tim Olk (Foto: TopFarmers)

Workshop bei TopFarmers mit Tim Olk
(Foto: TopFarmers)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Unser Kerngeschäft ist ganz klar die urbane Landwirtschaft. Wir produzieren Lebensmittel, darum dreht sich alles. Den Baustein Forschung und Entwicklung brauchen wir, um uns das entsprechende Know-how anzueignen und weiterzuentwickeln. Bildung bieten wir, um junge Menschen auszubilden: Wir brauchen Leute, die unsere Gewächshausfarmen fachgerecht betreuen, deshalb möchten wir die Ausbildung zum Stadtfarmer etablieren. Beratung bieten wir nur auf Anfrage – wir haben inzwischen einiges an Know-how in der Aquaponik gesammelt, das wir gerne weitergeben.

Das Projekt TopFarmers ist auf andere Städte übertragbar, wir bekommen immer wieder Anfragen aus ganz Deutschland. Im Moment geht es uns jedoch darum, TopFarmers in Berlin zu etablieren.

M-Q: Sie sammeln bis 14. Dezember Kapital über die Crowdfunding-Plattform EcoCrowd, das Funding-Ziel sind 20.000 Euro. Wie soll das Geld investiert werden?

Schüler bei Abschlussprüfung im TopFarmers Gewächshaus (Foto: TopFarmers)

Schüler bei Abschlussprüfung im TopFarmers Gewächshaus (Foto: TopFarmers)

Anne-Kathrin Kuhlemann: Dieses Geld soll ausschließlich in die Bildung fließen. Wir möchten junge Menschen zu Stadtfarmern ausbilden; das Interesse an dem Arbeitsfeld ist groß, das sehen wir an den Schülern der August-Sander-Schule, mit denen wir seit 2013 zusammenarbeiten. Wir möchten darüber hinaus Unterrichtsmaterialien entwickeln, Workshops für Schulklassen und Kindergartengruppen veranstalten u.v.m.

M-Q: Warum haben Sie sich für die erst kürzlich gegründete Crowdfunding-Plattform EcoCrowd entschieden und nicht für eine etablierte Plattform wie z.B. startnext?

Anne-Kathrin Kuhlemann: Wir finden es gut, dass es jetzt eine Plattform gibt, die sich nur für Nachhaltigkeitsprojekte einsetzt. Wir gehören zu den ersten fünf Projekten, die auf EcoCrowd ein Crowdfunding starten; schon das sorgt für eine erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien. Hilfreich ist das große Netzwerk im Hintergrund – die Deutsche Umweltstiftung hat als Bürgerstiftung allein 2.000 Stifter in ihren Reihen.

M-Q: Gibt es einen Plan B für den Fall, dass die Funding-Summe nicht zusammenkommt oder ist dann das Projekt TopFarmers zu Ende?

Tim Olk: Das Crowdfunding soll ja lediglich unsere Bildungsarbeit stärken – wenn es nicht klappt, führen wir das halt erstmal auf dem heutigen Niveau fort.

M-Q: Vielen Dank für das Gespräch!

Kurzer Nachtrag: Top-Farmers hat an dem Pitch-Wochenende den 2. Platz erreicht – herzlichen Glückwunsch!

Das Team von TopFarmers: Tim Olk, Anne-Kathrin Kuhlemann, Benjamin Hartmann, Klaus Walther (Foto: TopFarmers)

Das Team von TopFarmers (v. li. n. re.): Tim Olk, Anne-Kathrin Kuhlemann, Benjamin Hartmann, Klaus Walther (Foto: TopFarmers)

Information und Kontakt:
Topfarmers Projekt
Anne-Kathrin Kuhlemann
Blue Economy Solutions GmbH
Treskowallee 123
D-10318 Berlin

Mail: solutions[at]blueeconomy.de, info[at]topfarmers.de

Phone: +49 (0)30 6098810-70
Fax: +49 (0)30 6098810-69

www.topfarmers.de

www.facebook.com/topfarmers

TopFarmers auf der Crowdfunding-Plattform ecocrowd: www.ecocrowd.de/topfarmers

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